Wallfahrt und Pilgerzeichen
Ein Projekt des Lehrstuhls für Christliche Archäologie, Denkmalkunde und Kulturgeschichte an der Theologischen Fakultät der HU Berlin in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte am Institut für Geschichte und Kunstgeschichte der TU Berlin und dem Museum Europäischer Kulturen - Staatliche Museen zu Berlin / Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Eine bis heute nicht ersetzte Darstellung der Geschichte des Kultes des Hl. Theobal / Ewald von Thann im Elsaß und seiner Wallfahrt legte Médard Barth unter dem Titel "Zur Geschichte der Thanner St. Theobalduswallfahrt im Mittelalter" 1948 in den Annuaire de la Societe d'histoire des regions de Thann - Guebwiller(S. 19-82) vor.
Da dieser Band in deutschen Bibliotheken selten zu finden ist, haben wir uns entschlossen, ihn hier in seinem vollen Umfang - unter Auslassung der Abbildungen - zu dokumentieren.


Annuaire de la Societe d'histoire des regions de Thann - Guebwiller 1948, S. 19

Zur Geschichte der Thanner St. Theobalduswallfahrt im Mittelalter
par Médard Barth

I.

Das St. Theobald-Ubaldproblem

Ist der in Thann verehrte Heilige, zu dem im Mittelalter Pilger aus aller Herren Länder zogen, mit dem zu Provins in der Campangne um 1033 geborenen, aus gräflichem Geschlecht stammenden hl. Einsiedler Theobald1) oder mit dem hl. Ubald, der 1160 als Bischof von Gubbio starb, gleichzusetzen ? In dieser Fragestellung ist das Problem, das zur Behandlung steht, klar angedeutet.

Stand der Frage

Seitdem der bekannte Bollandist Papebroch, der im 3. Maiband der Acta Sanctorum (1699) die vita Ubaldi herausgab, die Herkunft der Thanner "Ubaldus"-Reliquie einer kritischen Prüfung unterzog, machte sich im Städtchen Thann, wo Laien- und geistliche Kreise, angeblich von der Mitte des 15. Jahrhunderts an, den hl. Bischof Ubaldus als Wallfahrtsheiligen auszugeben pflegten, eine begreifliche Aufregung bemerkbar.1a) Den Stein des Anstosses bildete die Veröffentlichung eines Visitationsprotokolls, das sich auf die Untersuchung des Ubaldusleibes im Jahre 1593 bezog.2) Deren Ergebnis lautete dahin, dass der Körper des hl. Bischofs völlig erhalten sei, an keiner Hand ein Finger fehle, nicht einmal ein Fingernagel. Um die Unruhe, welche diese Feststellung heraufbeschwor, los zu werden, schickte der Rat von Thann 1705 den Einsiedler Ludwig mit einem Empfehlungsschreiben nach Gubbio, wo er auf eine abermalige Besichtigung des Ubaldusleibes hinwirken sollte. Der Rat dieser Stadt bedeutete ihm jedoch, dass nach der genauen Untersuchung von 1593 kein Anlass zur Erneuerung des umständlichen Verfahrens
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vorliege. Eine ähnliche Abweisung erhielten 1730 auch zwei Thanner Stiftsherren, die im Auftrag ihres Propstes einen neuen Versuch in Gubbio unternahmen.3)
Es währte mehr als anderthalb Jahrhunderte, bis die elsässische Geschichtsforschung dazu überging, Papebrochs Ergebnisse auszuwerten. Den Anfang machte der Historiker F. X. Mossmann, der in einer Studie über den Ursprung Thanns die traditionelle Auffassung preisgab, in der er sich für den hl. Einsiedler Theobald als Patron der Stadt entschied. Dies geschah 1873.4) Dreissig Jahre später erschien Lempfrids Untersuchung5) der "Thanner Theobaldsage", deren Schlußfolgerungen einen völligen Bruch mit der Thanner St. Ubaldusüberlieferung bedeuteten. Man wird gewiss nicht behaupten können, dass der Verfasser seine Aufgabe leicht nahm. Weit zerstreutes Material wurde von ihm herangezogen, methodisch aufgebaut, der Zielsteckung entsprechend geordnet und mit dem blendenden Glanz der Gelehrsamkeit überkleidet, und zwar so, dass selbst geschulte Historiker glaubten, sich dem Zwang seines Beweisganges willenlos beugen zu müssen.
Als Patron von Thann kommt nach Lempfrid der am 30. Juni 1066 verstorbene Einsiedler Theobald in Betracht. Das in Thann verehrte Heiltum rührt, wie er weiter ausführt, von diesem Einsiedler her, ist keine Reliquie des am 16. Mai 1160 aus dem Leben geschiedenen hl. Bischofs Ubald von Gubbio.6) Die Übertragung der Theobaldsreliquie nach Thann fällt in die Jahre zwischen 1303 und 1310, vielleicht erst zwischen 1307 und 1310, der Erbauungszeit der dortigen ersten Kirche.7) In den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts erscheint auf dem Thanner Siegel St. Theobald in vollem bischöflichem Ornat.8) "Diese bis jetzt nachweisbar älteste Darstellung des Thanner Patrons als Bischof wird auf dessen Verwechslung mit dem hl. Vienner Erzbischof gleichen Namens zurückzuführen sein." Eine Nichte dieses Bischofs war nämlich die Großmutter des hl. Einsiedlers Theobald.9) Die Verwechslung Theobalds mit dem hl. Bischof Ubald geht in ihrem Ursprung auf Pilgerkreise zurück. Wallfahrer, die aus Rom heimkehrten, hatten sicherlich unterwegs von den Wundern Ubalds, des hl. Bischofs von Gubbio, gehört oder gar an sich selber erfahren, wie er auf Anrufung und Gelübde Seefahrer in Meeresstürmen schützt, Kranke von Besessenheit, von Siechtum, von Gebrechen aller Art heilt. Da lag es einer dem Wunderglauben bedingungslos huldigenden Zeit nahe, den in Thann gleiche Wunder wirkenden Heiligen mit dem ähnlich klingenden Namen mit dem italienischen Heiligen zu identifizieren, den in Thann verehrten Daumen als den Partikel des eugubinischen Bischofs auszugeben und dieser schnell Anklang findenden Pilgermär dadurch zum Glauben zu verhelfen, dass man den Namen des Thanner Patrons auf den eugubinischen übertrug,
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die Persönlichkeit Ubalds jedoch ganz dem Thanner Theobald unterschob."10) Mit der Vollendung des Thanner Chorfensters "mit den Wundern Theobalds, in denen er nicht weniger als siebenmal im bischöflichem Ornat erscheint, war dessen Auffassung als umbrischer Bischof entschieden."11) Die Entstehung dieses Theobaldusfensters weist in die Jahre zwischen 1456-70.12) Eine urkundliche Bestätigung der Ersetzung Theobalds durch Bischof Ubald liefert der am 2. September 1499 von Bischof Heinrich von Cambrai ausgestellte Ablassbrief für Thann.13)
Die Aufstellungen Lempfrids, die gar nicht so gesichert sind, wie sie scheinen, liegen damit dem Leser vor. Zweifel hat unser Verfasser jedoch daran, ob seine These genügend Durchschlagkraft besitze, die Thanner Ubaldustradition bis in den Grund zu erschüttern. Hören wir ihn selber! Er schreibt: 14) "Ob es unserer Untersuchung gelingen wird, in der Vorstellung des Volkes an Stelle des eugubinischen Bischofs wieder dem Heiligen als Patron von Thann zur Anerkennung zu verhelfen, dessen Daumen die Thanner Kirche bewahrt, dem hl. Einsiedler Theobald, hängt davon ab, ob die Verehrer der Thanner Reliquie sich zu dem Geständnis ermannen, dass ein früheres Jahrhundert mit der Ersetzung Theobalds durch Ubald einen Irrtum begangen habe."
Die Thanner beharrten trotzdem auf der Tradition, die Wissenschaftler rückten von ihr ab. So tat neuerdings Clauss in seinem Werk "Die Heiligen des Elsass", worin er sich zu Lempfrids Kritik, welche "einwandfrei Geschichte und Legende feststellt", bekennt. 15) Sein Satz "Seit ungefähr 1380 legte man in Thann dem Heiligen irrigerweise den Bischofstitel bei, in unterbewusster Verwechslung mit zwei anderen Heiligen gleichen Namens, entweder dem Erzbischof von Vienne (†954) oder dem Zisterzienserabt von Vaux de Cernay (†1247)"16) erhöht die Möglichkeit einer Fehlbezeichnung um eine neue Nummer. Ein grösserer Artikel im "Lexikon für Theologie und Kirche" (1938)17) sichert der Lempfridschen These weiteste Verbreitung in den Kreisen der Wissenschaft. Über Clauss ging die Ansicht Lempfrids in das ikonographische Werk von Joseph Braun über.17a) Einen Umschwung in der Tradition von Thann hat Lempfrid, was übrigens vorauszusehen war, nicht erzielt; dagegen ist es ihm geglückt, ernste Historiker in sein Kielwasser zu ziehen.

Kritische Stellungnahme zur These Lempfrids

Nun ist es Zeit, zu den Ergebnissen der Lempfridschen Untersuchung, die wir im wesentlichen kennen, kritisch Stellung zu nehmen. Dass er als erster versuchte, das Problem Theobald-Ubald ernsthaft anzupacken, ist ein Verdienst, das gewiss Anerkennung verdient. Dadurch dass er die Spitze seines Angriffs in die Thanner Tradition trieb und diese, wie er
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vermeinte, in die Luft fliegen liess, setzte er sich zu deren Vertretern in offenen Widerspruch. Wie sonst Spannungen auf dem geschichtlichen Plan hatte auch diese das Gute, dass sie zum Gegenstosse reizte und auch führte. Und letzterer ging, was übrigens nahe liegt, von Thann selber aus; allerdings nur in volkstümlicher Form, jedoch mit klarer Einsicht in die Brüchigkeit, welche der These Lempfrids überall anhaftet. So scheint uns wenigstens, wenn wir das Urteil des von Thann gebürtigen Geistlichen und Historikers A. Moschenross18) in das Licht eigener Erkenntnis rücken. "Es würde, so schrieb er 1934 in einem Volkskalender, den Rahmen dieser Skizze übersteigen, auf alle Einzelheiten zur Widerlegung der Lempfridschen Ansicht hier einzugehen, den Nachweis werden wir an anderer Stelle bringen. Begnügen wir uns mit dem hauptsächlichsten. Trotz des auf gründlicher Urkundenkenntnis gestützten und auf sorgfältig gesichtetem Nachweismaterial fussenden Untersuchungsmodus Lempfrids ist der Beweisversuch zu Gunsten Theobalds des Einsiedlers nicht stichhaltig, auf Grund restlosen Versagens des gesamten handschriftlichen und monumentalen Materials. Der wissenschaftliche Wert seiner Monographie liegt wesentlich im 2. Teil seiner Abhandlung, die über den Beginn des Thanner Münsterbaues handelt." 19) So lückenlos, wie hier vorgegeben wird, war der Ring der Argumente zugunsten Ubalds im 19. Jahrhundert noch lange nicht, sonst wäre Lempfrid, der schon etwas von Geschichte verstand, die Aussichtslosigkeit seines Beweisverfahrens von vornherein klar gewesen.
Zu der Untersuchung Lempfrids lässt sich nur Stellung nehmen, wenn die Angelpunkte bzw. Unterlagen, die das Ganze tragen, zuvor erkannt werden. Ein Eckpfeiler im System unseres Historikers war das bereits erwähnte Visitationsprotokoll von Gubbio, das über die 1593 vorgenommene Prüfung des Ubaldusleibes berichtet, und zwar zu Ungunsten der in Thann verwahrten angeblichen Daumenreliquie von Theobaldus-Ubaldus. Dies bestimmte ihn, den hier verehrten Heiligen aus dem Zusammenhang mit Gubbio zu lösen und den Thanner Translationsbericht, wonach der deutsche Diener des hl. Ubaldus von Gubbio nach dessen Tod eine Daumenreliquie nach Thann brachte, in "das Reich der Sage" zu verweisen.20)
Nun war die Kirche von Thann, wie eine Urkunde von 1317 erstmals bezeugt, dem hl. Theobald geweiht. Da der hl. Einsiedler Theobald in Nordfrankreich einen stärkeren Kult besass, glaubte Lempfrid, die Thanner Reliquie wie auch das Kirchenpatronat auf diesen Heiligen beziehen zu sollen. Dafür sprach ja die Gleichheit des Namens. Diese Zuweisung von Patronat und Reliquie liegt, wie unser Verfasser plausibel zu machen sucht, in den geschichtlichen Verhältnissen Thanns begründet. Dieses wurde nämlich um 1260 Sitz eines Dynastengeschlechtes,
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dessen regierendes Haupt seit 1275 Graf Theobald von Pfirt war. Das hatte zur Folge, dass Thann der Mittelpunkt des ganzen Herrschaftsgebietes des Pfirter Hauses wurde und sich schnell entfaltete.21) Wiewohl der Ort 1296 urkundlich als Stadt erscheint,22) fehlte ihm, wie Lempfrid zu berichten weiss, bis 1310 "eine eigene Kirche". 23) Die "Erbauungszeit der ersten Kirche in Neuthann" setzt er in die Jahre zwischen 1307 und 1310. Die "Wahl des hl. Theobald zum Patron der ersten Bürgerkirche in Thann erfolgte mit Rücksicht auf die Person des Landesherrn, dessen Namenspatron der Heilige war, und der wohl aus eigenen Mitteln reichlich zum Bau der Kirche und zur Einrichtung des Gottesdienstes in ihr wird beigesteuert haben. Die gleiche Rücksichtnahme auf die Wohltätigkeit des Landesherren war es, wenn die Barfüsser 1311 die Kirche ihres Klosters unter anderem auch auf die Namen Theobald und Katharina weihen liessen." So Lempfrid.24)
Die Einrichtung der Thanner Kirche wird der Anlass gewesen sein zur Beschaffung einer Reliquie des hl. Theobald.25) Wie diese in den Besitz einer solchen gelangte, erzählt Lempfrid auf folgende Weise. "Die Gemahlin Theobalds wird es gewesen sein, welche die Beschaffung der Theobaldusreliquie besorgt hat. Nach dem Tod Katharinas von Klingen hatte sich Theobald in zweiter Ehe mit der Gräfin Magareta von Blamont" verheiratet. "Durch ihre Familienbeziehungen zu den geistlichen und weltlichen Obern einer der nordfranzösischen Kirchen, die Teile vom Theobaldusleichnam besassen, mag sie in den Besitz des Daumens gekommen sein. Man möcht am ehesten annehmen, dass er aus einer der beiden Kirchen in St. Theobalds Geburtsort Provins, aus der St. Theobalds- oder St. Quiriakuskirche stamme." Als der Zeit der Ankunft der Reliquie errechnete Lempfrid die Jahre "zwischen 1303 und 1310, vielleicht erst zwischen 1307 und 1310". "Mit dieser Ansetzung stimmt es, wenn die erste urkundliche Erwähnung der Thanner Kirche und zwar als eine dem hl. Theobald geweihten in das Jahr 1317 fällt." 26)
Mit diesen Ausführungen, die grösstenteils wörtlich aus Lempfrid übernommen wurden, kennen wir dessen Standpunkt inbetreff des Kirchenbaues, der Wahl des Patrons und der Reliquienherkunft. Als geschichtlich verbürgt treten uns darin nur zwei Persönlichkeiten bzw. Tatsachen entgegen: Graf Theobald (†1310) nebst seiner 2. Gattin Magareta von Blamont sowie die 1317 durch Urkunde bezeugte Thanner St. Theobalduskirche. Sie bilden den zweiten Eckpfeiler in der von kühnen Kombinationen durchzogenen Untersuchung Lempfrids.
Nun gilt es, die beiden Tragstützen der Lempfridschen These auf ihre Festigkeit zu prüfen. Wenn es gelingt, die eine oder gar alle zwei zum Zusammensturz zu bringen, hängt der ganze, bei oberflächlicher Betrachtung imponierende Bau in der Luft.

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Nach den auf die Thanner Reliquie bezugnehmenden Translationsberichten, deren Entstehung von Lempfrid ins 15. Jahrhundert datiert wird,27) wie auch nach dem Ablassbrief des Bischofs von Cambrai 149928) besass die St. Theobaldskirche in Thann eine Daumenreliquie des hl. Bischofs Ubald (†1160) von Gubbio. Während der eine dieser Berichte von dem Daumenfinger spricht, ist in dem anderen sowie in der eben erwähnten Ablassurkunde nur vom oberen Glied des Daumens die Rede. Nach dem Tod des hl. Ubald hatte dessen deutscher Diener, wie die Legende berichtet, die Daumenreliquie an sich genommen, sie in dem Knauf seines Wanderstabes verborgen, um dann die Heimreise anzutreten. Als er Italien glücklich hinter sich hatte und dann nach Thann kam, liess sich die Reliquie nicht weiterbringen. Nun baute man ihr zu Ehren eine Kapelle und die Wunderzeichen begannen.
Die Thanner Tradition, wonach die dort verwahrte Reliquie vom hl. Bischof Ubald stammt, kann man über das 15. Jahrhundert hinauf verfolgen. Sie ist deutlich fassbar in drei Urkunden vom Jahre 1369, die sich auf die Theobalduskapelle in Basel beziehen.29) Darin erfahren wir, dass der Basler Bürger Huglin von Schöneck zu Ehren des hl. Theobald eine Kapelle an der Augustinerchorherrenkirche St. Leonard in Basel hatte errichten lassen. Während eines langjährigen Aufenthaltes in der Lombardei war es ihm möglich gewesen, sich durch wertvolle Dienste das Wohlwollen von "adligen Herren, Städten und Klöstern, Geistlichen und Laien" zu sichern. Obendrein stand er in engen Beziehungen mit den Augustinereremiten in Vincenza, die ihn in ihre Gebetsverbrüderung aufgenommen hatten, und auf sein Bitten und Drängen hin besorgte ihm deren Ordensprovinzial Johannes von Verdello eine Reliquie "sancti Theobaldi cujus corpus sepultum honorifice habetur supra montem extra portam civitatis Ehugubii". Nach dem Urkundenbericht war also die Reliquie eine solche des hl. Theobald, dessen Leib eine ausserhalb Gubbios gelegene Bergkirche verwahrte. Damit ist die Gleichheit von Theobald und Ubald deutlich ausgesprochen. Nun kennen wir die baslerisch-elsässische Beziehung des letzteren. Die Schenkung der Reliquie an Huglin war ein Zeichen grössten Entgegenkommens von seiten des Stadtoberhauptes von Gubbio und der Kanoniker der ausserhalb der Stadt gelegenen St. Theobalduskirche. Das "Sant Theobaldes heiltum" bestand aus einem Gebeinstück. Dieses übergaben die Augustinereremiten von Vincenza dem Basler Huglin und traten an ihn noch andere ihrem Kirchenschatz entnommenen Reliquien ab. Durch Zeugnis und Siegel des Johannes von Verdello und des Priors von St. Silvester in Vincenza wurde die Echtheit der Reliquien beglaubigt. Die Reliquien kamen in die St. Nikolauskapelle von Kleinbasel. Von hier wurden sie am 20. Oktober 1369 vom Baseler Weih-
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bischof Petrus abgeholt und in feierlicher Prozession, an der alle Stifte, Klöster und Zünfte der Stadt Basel teilnahmen, in die St. Theobalduskapelle an der dortigen St. Leonhardskirche übertragen. In der darüber am 20. Oktober 1369 ausgestellten Urkunde ist ausdrücklich betont, dass das Fest des hl. Theobaldus am Oktavtag von St. Johann-Baptist, d. h. am 1. Juli gehalten wird. Zeichen und Wunder offenbarten bald die Macht des Heiligen.
Am 13. November 1369 forderte der Generalvikar von Konstanz die Geistlichen seines Sprengels auf, die ihnen unterstellten Gläubigen zur Verehrung der in der St. Theobalduskapelle verwahrten Reliquien anzuhalten. An den Besuch des Heiligtums knüpfte er auch Ablässe. Auch der Rat von Basel blieb nicht säumig. So machte er durch eigene Boten Fürsten, Herren und Ritter wie auch Städte auf den neuen Reliquienschatz, den die St. Leonharduskirche barg, aufmerksam. Davon hören wir in einer Urkunde vom 27. November 1369. "Wenn durch diese geistliche und weltliche Kundgebung bezweckt wurde, so bemerkte Lempfrid ganz richtig30) den Strom der Theobaldusverehrer von Thann nach Basel abzulenken, so wahr das Bemühen vergeblich. Das ganze nördlich der Rheinstrecke von Konstanz bis Basel gelegene Deutschland suchte nach wie vor seine Hülfe bei St. Theobald in Thann."
Das Sich-Versteifen auf eine vorgefasste Idee hinderte Lempfrid daran, aus dieser Erkenntnis die sich aufnötigende Schlussfolgerung zu ziehen. An uns liegt es nun, sein Versäumnis nachzuholen. Dass die von Huglin in Basel errichtete Kapelle dem Thanner Heiligen geweiht war, gibt Lempfrid vorbehaltlos zu. Von dem selben Heilgen, d.h. vom hl. Bischof Ubald-Theobald rührte die Reliquie her, welche Basel 1369 erhielt und zweifellos auch die, welche Thann besass, sonst hätte das Basler Konkurrenzunternehmen keinen Sinn und noch weniger Aussicht auf Erfolg gehabt.
Wie sklavisch man in Basel die Thanner Verhältnisse kopierte, erhellt auch daraus, dass man nicht den 20. Oktober zum Translationsfest erklärte, sondern aus der Thanner Liturgie den 1. Juli, den "Grossen St. Theobald", 30a) wie er heute noch im Volksmund heisst, herübernahm. Die Gründe, die für diese Wahl den Ausschlag gaben, sind so durchsichtig, dass sich ein näheres Eingehen auf sie erübrigt. Wenn Lempfrid im 1. Juli den Gedenktag des hl. Einsiedlers Theobald sieht,31) geht er irre, denn dessen Todestag fällt auf den 30. Juni, und diese beiden Daten sind trotz unmittelbarer Nähe scharf auseinanderzuhalten. Ueber die Bedeutung, welche einer Reliquienübertragung in der örtlichen und Diözesanliturgie zukommt, war sich unser Historiker nicht ganz klar. Die Liturgie der Thanner Kirche ist gar nicht so rätselhaft wie dieser glaubhaft machen möchte. Seit Jahrhunderten feiert Thann
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am 16. Mai (Todestag des hl. Bischof Ubald) den "Kleinen Theobald" und am 1. Juli den "Grossen St. Theobald". Die beiden Feste beziehen sich, schon äusserlich gesehen, auf den selben Heiligen und weisen, wie der Volksmund so treffend bemerkt, einen verschiedenen Rang bzw. Grad auf. Einen gleichen Fall bietet die Kultgeschichte des hl. Strassburger Bischofs Florentius.32) Seit dem Jahre 810, da dessen Leib von Strassburg nach Haslach übertragen worden war, feierte die Strassburger Diözese ausser dem Fest vom 3. April (Todestag) auch das der Translatio am 7. November. Im ausgehenden Mittelalter wurden die beiden Feste verwechselt, jedoch hatte das Translationsfest immer den höheren Rang. Das Fest am 3. April kam im Lauf des 16. Jahrhunderts ganz in Vergessenheit, das der Translatio blieb, wobei das Brevieroffizium von heute nicht mehr das Gedächtnis der Uebertragung, sondern die Wiederkehr des Todestages feiert! Wie hier das Translationsfest vom 7. November, so überschattet auch in der Thanner Liturgie das Theobaldusfest vom 1. Juli dasjenige vom 16. Mai, jedoch nicht so, dass letzteres einging. Schon die liturgische Parallele im Florentiuskult legt den Schluss nahe, dass das höhere Theobaldusfest vom 1. Juli sich auf die Reliquienübertragung bezieht. Schenck hat bereits 1628 diese Ansicht vertreten.33) In die gleiche Richtung weist ebenso deutlich das Vorgehen der Baseler im Jahre 1369, welche das Fest der Uebertragung ihrer Ubald-Theobald-Reliquien weder am 20. Oktober noch am 16. Mai, dem Todestag dieses Heiligen feierten, sondern am 1. Juli, da Thann sein Hauptfest beging. Auf die Frage, die wir noch nicht ganz als gelöst ansehen, werden spätere Erörterungen noch weiteres Licht werfen.
Thanns Theobaldustradition klammert sich, wie die drei auf die Baseler Theobalduskapelle bezüglichen Urkunden von 1369 indirekt und die zwei Thanner Translationsberichte und die Urkunde von 1499 direkt bezeugen, an den hl. Bischof von Gubbio. Wenn die beiden Thanner Stiftsherren Ulrich und Theobald Hess 1544 zwecks Ueberlassung von Ubaldusreliquien in Gubbio vorsprachen,34) so tritt in deren Vorgehen die gerade Linie in der Thanner Ueberlieferung ganz offen zutage. Es kam im Jahre 1593 die Untersuchung des Ubaldusleibes in Gubbio, deren Protokoll, wie oben schon berichtet wurde, vom Bollandisten Papebroch im Zusammenhang mit der vita s. Ubaldi 1699 veröffentlicht wurde. Darin ist zu lesen, dass an den Händen des Heiligen kein Finger fehlt, nicht einmal ein Fingernagel. In Thann, wo man seit Jahrhunderten des Glaubens war, den Daumen bzw. dessen oberes Glied zu besitzen, rief diese Nachricht nicht wenig Bestürzung hervor. Und trotzdem hielt man zähe an der Tradition fest. Diese Haltung führte dazu, dass der Rat von Thann den Einsiedler Ludwig von Rufach im Jahre 1705 mit Empfehlungsschreiben nach Gubbio schickte,35) damit er dort die Erlaubnis
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zu einer genauen Besichtigung des Ubaldusleibes erwirke. Unter Berufung auf die eingangs erwähnte Untersuchung von 1593 lehnte die Stadtbehörde von Gubbio das Ansinnen ab. Der Einsiedler durfte bloss den in bischöfliche Gewänder gehüllten Leichnam hinter den Schranken besichtigen. Eine Abschrift der Visitationsprotokolle von 1593 war das einzig Greifbare, das er bei seiner Rückkehr dem Rat von Thann vorlegen konnte.
Nun machte der Thanner Stiftspropst Theobald Anton Gobel 1730 einen neuen Versuch, indem er zwei seiner Stiftsherren, seinen Bruder Sigismund und Colin von Valoreille, nach Gubbio schickte, wo sie wenigstens die rechte Hand St. Ubalds besichtigen sollten.36) Als Antwort auf sein Gesuch an den Bischof von Gubbio brachten die beiden Stiftsherren ein in dessen Auftrag von einem Kanonikus verfasstes Schreiben mit, das der Thanner Geistlichkeit die Möglichkeit gab, ihre Tradition, welche die Reliquie auf St. Ubaldus bezog, weiter zu vertreten. Das aus Gubbio mitgebrachte Gutachten wird den Stiftspropst Gobel, dem der präzise Besichtigungsbericht von 1593 Achtung einflösste, schwerlich beeindruckt haben. Und doch hielt ihn etwas zurück, die Thanner Ueberlieferung preiszugeben. Dass er sich von neuem auf ihren Boden stellte, beweist seine Geschichte der Reliquienübertragung.37) "Auch der ungenannte Verfasser der 1777 erschienenen Lebensbeschreibung des hl. Theobaldus - im wesentlichen ein Auszug des Schenckschen Büchleins - gibt nur dessen Darstellung von der Reliquientranlation wieder, wiewohl ihn die Ergebnisse der Papebrocheschen Arbeit bekannt waren, weil es ihm die "Klugheit" so zu gebieten schien."38) Klug war es gewiss von ihm, dass er ungeachtet der Bedenken, welche das bekannte Protokoll von 1593 bei Einsichtigen zurückliess, nicht offen mit dem Glauben der Jahrhunderte brach. Wie fest man in Thann zur Theobald-Ubald-Tradition stand, erkennt man besonders daran, dass es auch Lempfrid, der in ihr nur ein blutleeres Sagengebilde erblickte, nicht gelang, sie im Lebensnerv zu treffen.
Ob sich die Thanner Ueberlieferung mit dem Reliquienbefund zu Gubbio in Zusammenhang bringen lässt, musste solange fraglich bleiben, als erstere auf einer Vorstellung beruhte, die der Wirklichkeit nur teilweise entsprach. Hierin konnte also nur die Inaugenscheinnahme der Thanner Reliquie volle Klarheit bringen.
Als man im Gubbio am 20. Mai 1822 die bischöflichen Gewänder des hl. Ubald erneuerte, stellte man abermals fest, dass die Hände ganz erhalten waren. Bei dem Wechsel der bischöflichen Oberkleider im Jahre 1856 hielt man eine genaue Besichtigung der Hände für überflüssig. Darüber wie auch über den Besuch der Thanner Stiftsherren im Jahre 1545 und die Untersuchung des Ubaldusleibes im Jahre 1593 (1594) be-
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richtet ein Schreiben, das Bischof Innozenz von Gubbio am 2. Januar 1861 an den Thanner Stadtpfarrer Johann-Baptist Grienenberger sandte.39) Es war eine Erwiderung auf eine Anfrage, die letzterer gewisser Zweifel wegen 1860 an den eben genannten Bischof gerichtet hatte. Aus den Angaben des Bischofs von Gubbio zog Pfarrer Grienenberger den Schluss, dass in der Thanner Tradition ein Fehler liegen müsse und deshalb eine Prüfung der angeblichen Daumenreliquie notwendig sei. Mit Erlaubnis des Strassburgers Bischofs Raess nahm er diese in der Gegenwart von Geistlichen am 21. November 1864 vor, wobei festgestellt wurde, dass die Thanner Reliquie kein Daumenglied mit zugehörigen Knochen war, sondern gerollte, eingetrocknete und verhärtete Haut, die eine sehr dunkle Fleischfarbe aufwies. In Anwesenheit fast aller Priester des Thanner Dekanats wurde die Reliquie am 2. Januar 1865 nochmals aus dem Kristall herausgenommen. Das Prüfungsergebnis deckte sich mit dem von November 1864.40) Ein wichtiger Schritt zur Lösung der Reliquienfrage war damit getan. Thann verwahrte, wie auch Clauss 1935 schrieb, eigentlich nur die Haut eines Daumens.41) Die dortige Überlieferung, die bloss von der Daumenreliquie der rechten Hand sprach, wies der weiteren Nachforschung den Weg.
Die Vollendung des Langhauses des Thanner Münsters soll 1446 erfolgt sein. Der Eintritt ins Jahr 1946 legte der Stadt und Pfarrei Thann nahe, die 5. Jahrhundertfeier dieses Ereignisses mit aussergewöhnlichem Glanze zu begehen. An den grossen Festlichkeiten, die am 30. Juni und 1. Juli 1946 daselbst stattfanden, nahm auch Beniamino Ubaldi, Bischof von Gubbio, als Ehrengast der Stadt teil. Er war Zeuge einer mächtigen Kundgebung zu Ehren des hl. Theobald, die ihn tief beeindruckte. Ihm wurde klar, dass eine Tradition, die solche gewaltige Menschenmassen in Bewegung und Begeisterung setzen konnte, nicht an Voraussetzungen knüpfte, die im Nichts wurzelten. Mit dem Entschluss, durch eine neue sorgfältige Untersuchung des Ubaldusleibes die Reliquienfrage endgültig zu klären, trat Bischof Ubaldi die Heimreise an. 43) Drei Monate später, am 2. Oktober 1946, führte er diesen aus. Mehrere gelehrte Geistliche, darunter auch Monsignore Pio Cenci, ehemaliger Archivar der Vaticana und Verfasser eines Werkes über den hl. Bischof Ubald,44) wohnten als Zeugen der Reliquienprüfung bei. Als Sachverständiger war der Arzt Dr. Telesforo Antonioli Ferranti beigezogen. Wie 1593, stellte man auch jetzt fest, dass die beiden Hände ganz erhalten waren und zehn mit Nägeln versehene Finger aufwiesen. Nun wandte sich die Untersuchung dem Daumen der rechten Hand zu. An dessen Innenseite bemerkte der Bischof eine Höhlung, die ungleich tiefer war als die des Daumens der linken Hand. Die genaue Besichtigung der fraglichen Stelle war nun Aufgabe von Dr. Ferranti. Seine Prüfung führte zu der einwandfreien Fest-
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stellung, dass die beobachtete Vertiefung an der Innenseite des rechten Daumens von einem Einschnitt herrührte, bei dem ein Fleischteil samt Hautteilen losgelöst wurde. Der Eindruck, den diese Entdeckung bei den Anwesenden, besonders bei Bischof Ubaldi und Monsignore Cenci, hervorrief, lässt sich kaum in Worte fassen.45) Voller Freude machte der Bischof von Gubbio am 4. November 1946 dem Pfarrdekan Dr. Robert Barth in Thann davon Mitteilung. Die Thanner Tradition wie übrigens auch die für 1512 bezeugte von Gubbio war demnach nicht unbegründet. Bischof Ubaldi gab in seinem Schreiben an den Thanner Pfarrdekan auch die Anregung, es möge der Bischof von Strassburg, Mgr. Weber, ebenfalls die Thanner Reliquie fachmännisch untersuchen lassen. Wenn dieser gleich darauf einging, so lag das eben in dem günstigen Prüfungsergebnis, das förmlich zum Ergänzungsverfahren und Abschluss drängte.
Am 3. März 1947 fand in Thann die Untersuchung der dort verwahrten Reliquie statt. Bischof Jean-Julien Weber, Pfarrdekan Barth sowie andere Zeugen wohnten ihr bei. Vorgenommen wurde sie vom Mülhauser Spital- und Gerichtsarzt Léon Mangeney und seiner Gattin, Aerztin Dr. med. Juliette Mangeney. Deren Ergebnis lautet: die Reliquie, die ein hohes Alter hat, umschliesst keinen Knochen. Sie besteht aus einem eingetrockneten, verhärteten, mit Haut überzogenen Fleischfragment, das von einem Daumen oder einer grossen Zehe - ob rechts oder links lässt sich nicht mehr feststellen - losgeschnitten wurde. 46)
Die beiden in Gubbio und Thann angestellten und sich ergänzenden Untersuchungen liefern den Beweis, dass die Thanner Tradition auf fester Grundlage ruht. Die dort verehrte Reliquie stammt somit vom Leib des in Gubbio rastenden hl. Bischofs Ubald-Theobald. In dem man den Teil für das Ganze (pars pro toto) nahm, kam die Legende von der Daumenreliquie zustande. Im gleichen Vorstellungskreis bewegte man sich früher überall da, wo eine Reliquie vom Kopf eines Heiligen, die in den Kopf einer Reliquienbüste eingelassen war, als "Kopf" dieses Heiligen ausgegeben wurde. Solche Denk- und Sprechweise hat eine gewisse Sorte von Historikern, die über das Vorhandensein von 2 und noch mehr "Köpfen" eines und desselben Heiligen ihre billigen Witze machten, gar nicht Rechnung getragen.
Das die Thanner Reliquie gleich nach dem Tode des Heiligen von dessen Daumen abgetrennt wurde, lässt sich nicht bezweifeln. Nach der Einsargung und Beisetzung St. Ubalds wäre das Experiment nicht mehr geglückt. Die heute noch vorhandene Hand der hl. Attala, der ersten Aebtissin von St. Stephan in Strassburg, bietet hierzu eine interessante Parallele.47) Wie die Thanner Ueberlieferung erzählt, war es der deutsche Diener des hl. Bischofs, der die Reliquie in Thann zurückliess, wo
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ihr zu Ehren eine Kapelle errichtet wurde. Sollte etwa der "deutsche" Diener St. Ubalds aufs Geratewohl in die Thanner Sage eingeschmuggelt worden sein? Diese Annahme trifft um so weniger zu, als geschichtlich feststeht, dass St. Ubald einem der deutschen Adelsgeschlechter, die sich in Gubbio eingebürgert hatten, angehörte.48) Thanns Beziehungen zu dieser Stadt und ihrem hl. Bischof, wie sie sich bis 1369 hinauf aufdecken liessen, mussten, wenn sie auf echter Grundlage ruhten, auch über viele Jahrhunderte hinweg zur endgültigen Klärung der Reliquienfrage führen. Und sie taten es auch, wie wir heute mit einer gewissen Genugtuung feststellen können. Die Zähigkeit, mit der man in Thann, trotz scheinbaren Widerspruchs, an der Tradition festhielt, verdient die uneingeschränkte Anerkennung des Historikers.
Aus unserer Untersuchung ergibt sich, dass der Aufstellung Lempfrids, wonach die Thanner Ueberlieferung ins "Reich der Sage" zu verweisen sei, der tragende Boden fehlt. Einer der beiden Eckpfeiler seiner These kam zu Fall, und damit ist ohne weiteres auch der Rest seiner Argumentation in Frage gestellt. Wie schwach es auch um die zweite Tragstütze des Lempfridschen Systems bestellt ist, soll durch eine weitere Untersuchung gezeigt werden.
Der Thanner Translationsbericht, der von dem Daumen des hl. Theobald sprach, und das Visitationsprotokoll von Gubbio aus dem Jahre 1593 mussten so lange als sich widersprechend und unvereinbar empfunden werden, als eine fachmännische Untersuchung der Thanner Reliquie und des St. Ubaldusleibes in Gubbio unterblieb. Dies war unseres Erachtens auch der entscheidende Grund, weshalb Lempfrid die an Gubbio knüpfende Thanner Ueberlieferung preisgab und mit einem erstaunlichen Aufwand von Gelehrsamkeit versuchte, Thanns erste Kirche und Reliquie mit dem hl. Einsiedler Theobald in Zusammenhang zu bringen. Den Ausgangspunkt dieser These lieferte die 1317 durch Urkunde erwähnte Theobalduskirche von Thann. In ihr sah er das erste Gotteshaus dieser Stadt, dessen Errichtung er in die Zeit zwischen 1307 und 1310 setzte. Die Wahl des hl. Einsiedlers Theobald zum Patron soll, wie wir oben schon darlegten, mit Rücksicht auf die Person des Landesherren, des Grafen Theobald von Pfirt, dessen Residenz in Thann stand, geschehen sein. Durch die Bemühungen der Gräfin Magareta von Blamont, der 2. Gemahlin Theobalds, sei die Thanner Kirche in den Besitz einer Daumenreliquie des hl. Theobald, die wohl aus dessen Geburtsort Provins selber herrührte, gelangt. Die Ankunft dieser Reliquie datierte Lempfrid ebenfalls in die Jahre zwischen 1307 und 1310.
Stimmt es tatsächlich, dass dem Filialort Thann, wie Lempfrid ausdrücklich bemerkt, bis 1310 "eine eigene Kirche" fehlte; das ferner "die Erbauungszeit der ersten Kirche" dieser Stadt in die Zeit zwi-
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schen 1307 und 1310 fällt? Und wie reimt sich zudem diese Datierung der ersten Kirche mit der gesicherten Nachricht, dass 1332 wieder ein Neubau bzw. Umbau derselben vorgenommen wurde? Die Annahme, dass zwei Neubauten in so kurzem Zeitabstand aufeinander folgten, befremdet ohne weiteres. Auch die selbstsichere Art, wie unser Kritiker mit der Datierung einer älteren Kapelle, die dem Neubau von 1332 an der selben Stelle vorausging, fertig wird. Von diesem älteren Bau ist noch die mit Kreuzgewölbe versehene Turmhalle vorhanden. Die romanische Form der Kapitelle sowie die Schwere der Rippen hatten Anlass gegeben, den Bau der Turmhalle bald in das beginnende 13. Jahrhundert,49) bald sogar in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts zusetzen.50) Da Lempfrid den Bau der ersten Thanner Kirche nebst ihrem Theobalduspatronat im Zusammenhang mit Graf Theobald sah, durfte das Alter der vorhin erwähnten Turmhalle begreiflicherweise nicht vor dem Jahre 1300 liegen. Seinen Standpunkt begründete er damit, dass "Thann bis zum 14. Jahrhundert abseits der Wege der neuen Richtung in der Baukunst lag, und die Täler der Vogesen, auch nachdem in den Städten der Rheinebenen die gotische Bauweise längst Eingang gefunden hatte, an dem ererbten Formenschatz früherer Jahrhunderte festhielten". Aus dieser Erwägung heraus entschied er sich dafür, dass die Turmhalle, trotz ihrer Formen, erst der Zeit nach 1300 angehöre.51) Mit dieser Zeitansetzung, welche der Annahme einer angeblich vom Graf Theobald errichteten ersten Thanner Kirche entsprach (1307-1310), hatte Lempfrids These einen "tragenden" Boden. Ob man sich in den Vogesentälern der gotischen Kunstrichtung wirklich solange verschloss, wie hier angenommen wird, ist eine Frage, die eine kurze Erörterung verdient. Der Ansicht Lempfrids lässt sich um so weniger beipflichten, als feststeht, dass die erste gotische Kirche des Stiftes Haslach, das in einem Seitental des Breuschtals lag, 1287 durch Brand zerstört und der Wiederaufbau der heute noch stehenden Kirche sofort in Angriff genommen wurde. Der Innenraum der St. Leodegarkirche zu Gebweiler, die der Staufenzeit angehört, weist schon auf die Uebergangszeit hin, und die dortige 1312 begonnene Dominikanerkirche ist in rein gotischem Stil gehalten. Wenn in Breusch- und Lauchtal der Wellenschlag der Gotik nicht merklich spät fühlbar ist, wird man für Thann im Thurtal annehmen dürfen, dass es mit der Entwicklung gleichen Schritt hielt, zumal das nahe Stift St. Amarin als Inhaber des Pfarrsatzes von Altthann, mit Neuthann der Filiale, in Anbetracht seines Pflichtteils an der Kirchenbaulast die Bauform des neu zu errichtenden Gotteshauses mitbestimmte. Dass Stifte und Klöster für die neue Kunstströmung einen offenen Sinn hatten zeigen Haslach und Gebweiler. St. Amarin hielt sich gewiss nicht ausserhalb der Bewegung. In diesen Erwägungen liegt
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es, wenn wir die willkürliche, nur von der Graf-Theobald-These bestimmte Datierung der Turmhalle wie sie Lempfrid vornahm, ablehnen; denn er vermochte weder die unbegreiflich rasche Aufeinanderfolge von zwei Neubauten zu erklären noch seine späte Zeitansetzung der Turmhalle, die der Datierung von Kunsthistorikern um 100 Jahre nachhinkt,51a) in irgendeiner Weise zu begründen.
Indem unser Kritiker den ersten Kirchenbau von Thann in die Jahre zwischen 1307 und 1310 datierte, nahm er für diese Stadt eine Rückständigkeit im Kirchenwesen an, die in scharfen Widerspruch zu den Verhältnissen steht wie sie die elsässische Pfarrei im 12. und 13. Jahrhundert kannte. Wenn damals in Dörfern häufig eine Filialkapelle anzutreffen war,52) so muss für Thann, das schon 1296 urkundlich als Stadt bezeichnet wird, ebenfalls eine solche, und zwar mit Bestimmtheit, angenommen werden. Der Bau der älteren Kapelle von Thann, als deren Rest die oft erwähnte Turmhalle zu betrachten ist, fällt spätestens in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dass St. Theobald deren Patron war, ist aus der Urkunde von 1317 zu folgern. Damit ist die Verbindung des 1310 verstorbenen Grafen Theobald mit dem Bau und dem Patronat der älteren Kapelle ohne weiteres hinfällig. Uebrigens wäre für die Wahl des Patrons nicht der Graf, sondern das Kollegialstift St. Amarin, das den Pfarrsatz von Altthann besass, massgebend gewesen. Die Lempfridschen Aufstellungen beruhen, soweit sie die älteste Theobalduskirche, deren Patronat und die durch die Gräfin besorgte St. Theobaldusreliquie betreffen, eigentlich nicht auf geschichtlichen Unterlagen, sondern, wie unsere Untersuchung zeigt, auf einer geschickten Kombination, deren Ausgangspunkte die für 1317 bezeugte St. Theobalduskirche und der Name des in Thann residierenden Grafen Theobald sind.
Mit dem 1310 hingeschiedenen Grafen Theobald haben wir uns noch etwas zu beschäftigen. Es ist nämlich auffällig, dass dessen Name in der Namensliste des 1324 im Mannesstamm erloschenen Grafengeschlechtes sich wie ein Fremdkörper ausnimmt, denn darin kommen nur Träger des Namens Friedrich, Ludwig und Ulrich wiederholt vor.54) Gewiss ist Theobald=Dietbald ein deutscher Name, aber damit ist sein Vorkommen im Hause Pfirt noch nicht erklärt. Graf Friedrich der II. von Pfirt hatte zwei Söhne: Ludwig und Ullrich. Bald nach 1232 wurde er bei einem tätlichen Angriff dieser beiden Söhne in der Burg selbst ermordet. Ulrich war der Vatermörder, was er erst 1275 auf dem Sterbebett durch Urkunde bekannte. Seine drei Söhne hiessen Friedrich, Ludwig und Theobald (der jüngste). Ein Streit Graf Ulrichs mit der Abtei Murbach (1233) ging verlustreich für ersteren aus. Mit dem Thanner Gebiet wurde am 28. Juni 1234 Bischof Berthold von Strassburg durch König Heinrich VII. belehnt. Erst 1251 erhielt Graf Ulrich unter Verzicht auf ge-
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wisse Ansprüche Thann als Lehen der Strassburger Kirche zurück.55) In der Zeit, da Ulrich des Thanner Gebietes verlustig gegangen war, fällt die Geburt seines jüngsten Sohnes, dem er den Namen Theobald gab. Dass dies bloss mit Rücksicht auf den wohl damals schon wundertätigen Thanner Heiligen geschah, ist kaum anzunehmen. Es spielten bei der Namensgebung gewiss auch politische Erwägungen mit. Im Namen Theobald, der ja ganz aus dem Rahmen der Pfirter Haustradition herausspringt, sollte aller Wahrscheinligkeit nach auch die Verbindung dieses Geschlechts mit dem Thanner Besitz symbolisch zum Ausdruck kommen. Für den Grafen Theobald selber bedeutete der Name Geschichte und auch Aufgabe.
Nun berührt es eigenartig, dass die Thanner Tradition und schriftliche Ueberlieferung trotz dem erwiesenen Zusammenhang mit Gubbio den Kirchenheiligen nicht unter dem Namen Ubald, sondern Theobald kennt. Ob der Umstand, dass St. Ubalds Nachfolger Theobald, der dessen Lebensbeschreibung verfasste, den Anstoss zur Verwechslung des Namens gab, scheint uns zweifelhaft. Tatsache ist, das Ubald, der Heilige von Gubbio, in den Basler Urkunden von 1369 unter dem Namen Theobald erscheint. Wenn aus Ubald im Niederdeutschen Ewald, Enewald, Ewold wird und im Thanner Bereich Namensformen Theobald und Tyebald, Diebolt für Theobald gebräuchlich waren, bietet die Entstehung der Formen Theobald, Thebald, Tyebald durch Kontraktion von (Sank)t Ubald-Ebald-Yebald gar nichts Unwahrscheinliches.56a) Dass wie Schenck behauptet, in einer Ablassurkunde für die St. Ubalds Kirche in Gubbio, welche der Papst Bonifaz VIII am 11. November 1299 ausstellte, der Heilige nicht Ubald, sondern Theobald genannt wird, widerspricht dem Originaltext.56) Die Bezeichnung fand sich wohl in einer zu Thann angefertigten Kopie.
Bevor wir zu einer weiteren Kritik Lempfridscher, auf die Persönlichkeit des Thanner Heiligen bezüglichen, Fehlbehauptungen übergehen, möchten wir die Ergebnisse unserer Hauptuntersuchung kurz zusammenfassen. Die Thanner Tradition, wonach die Reliquie wie auch der Patron nach Gubbio weisen, ist seit 1369 greifbar. An dieser Verknüpfung Gubbios mit Thann hielt man in letztgenannter Stadt bis heute fest. Die Untersuchung, welche 1946 am Leib des hl. Ubald in Gubbio vorgenommen wurde, wie auch die Prüfung der Reliquie in Thann besiegelten die Richtigkeit der Thanner Tradition. Nicht der hl. Einsiedler Theobald von Provins, sondern der hl. Bischof Ubald bzw. Theobald von Gubbio ist der geschichtlich begründete Schirmherr von Thann. Indem sich zeigen liess, dass dort schon in der ersten Hälfte des 13, Jahrhunderts eine dem hl. Theobald geweihte Kapelle stand, die um1320-1332 durch einen Neubau ersetzt wurde, erweist sich der angeb-
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liche Neubau der ersten Thanner Kirche um 1307-1310, einer Filialkirche - Thann war bis 1389 Mutterkirche - und der gleichzeitige Bezug zur Theobaldusreliquie aus Provins durch Vermittlung der Gräfin als geflügeltes Phantasiegebilde.
Wenn Lempfrid sich bei seiner Argumentation vielfach im Zickzack bewegte und im Augenblick widerstreitender Tatsachen öfter zum Straucheln kam, so ist dies hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass er unter dem starken Eindruck des bekannten Besichtigungsberichtes von Gubbio aus dem Jahre 159357) Thanns Bindung mit dem hl. Bischof Ubald als unhaltbar betrachtete und sich blindlings für die Antithese einsetzte, die in dem hl. Einsiedler Theobald den Patron von Thann sah. Wie schwach der Boden war, auf dem unser Historiker seinen Bau errichtete, hat schon die bisherige Untersuchung in aller Deutlichkeit aufgedeckt.
Nun empfiehlt es sich noch, die Persönlichkeit des in Thann verehrten hl. Theobald etwas näher zu prüfen. Dass wir dabei das Hauptgewicht auf Thanner Zeugnisse zu legen haben, ist eine Selbstverständlichkeit. Nicht geringer sind aber auch elsässische und sonstige Nachrichten anzuschlagen, die vom Kult des Heiligen und der Thanner Tradition zeugen.
Um seine Auffassung zu stützen, legte Lempfrid mehr Wert auf die geschickte Art der Darbietung als auf die Kraft der Argumente. In die Zeit zwischen 1456 und 1470 setzte er das Thanner St. Theobaldus Fenster, worauf der Heilige siebenmal im bischöflichen Ornat erscheint.58) Um "den allmählichen Uebergang der Theobaldus (Einsiedler-Vorstellung in die Ubaldusvorstellung" wie sie dieses Fenster veranschaulicht zu zeigen, griff er zu dem von Stoffel herausgegebenen Tomus miraculorum s. Theobaldi59), um anhand der darin vorkommenden Bezeichnungen des Thanner Heiligen klarzulegen, wie der vorhin erwähnte Wandel der Theobaldusvorstellung in die von St. Ubald im Laufe des 15. Jahrhundert vor sich ging. So stellte er fest60), dass in den von 1405 bis 1440 laufenden Wunderberichten noch nicht "von einem Bischof 'Theobald', sondern nur von den Wunderzeichen des hl. sant Tieboltz, dem lieben nothelfer sant Tiebolt, dem lieben hymmel fürsten sant Thiebolt dem grossen nothelfer ze Thann..." die Rede ist, weil man damals noch nicht das Bedürfnis hatte, "darüber nachzugrübeln, was der Heilige im Leben gewesen sei, was er gewirkt habe". Mit dem Jahre 1440 kündigte sich schon etwas Neues an. 1440 erscheint einem Kranken "ainer der was angeleit in bischofflichen gewandt vnd sprach. Er were Sant Thieboldt leibhaftig" 1447 bzw. 1448 ist es einer kranken Frau so, als stehe um Mitternacht vor ihr "der liebe hymelfürst Sant Thiebolt, jn eines byschoffs wise als man jn denn molt" und 1469 verspricht ein
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Vater zu suchen "sant Thiebolt zuo thann vnd ouch zu Eugubina (Gubbio) do er ganz liplich ruowet;"61) In diesen drei Bezeichnungen Theobalds als Bischof von Gubbio ist, wie Lempfrid sich vorsichtig ausdrückt "die subjektive Auffassung einzelner Pilger gekennzeichnet. Erst von der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts an wird sie auch von den eintragendenden Geistlichen angewandt".62) Wie formelhaft die Wunderberichte aufgebaut sind - das gleiche stellt man auch in Mirakelbüchern anderer Wallfahrtsorte fest - tritt schon darin zutage, dass beispielsweise in den meisten Berichten der "Himmelsfürst Theobald" 1-3 mal sogar vorkommt. Mit subtilen Unterscheidungen, wie sie der Verfasser anstellte, um seinen Zweck zu erreichen, war der Interpretationswillkür Tür und Tor geöffnet. Nach unserer Hauptuntersuchung bedarf Lempfrids Auffassung über den Wandel der St. Theobaldusvorstellung keiner eigenen Widerlegung mehr. Wenn wir zu ihr später trotzdem Stellung nehmen, so geschieht es bloss zur Charakterisierung seiner Arbeitsmethode. Auf einen älteren Brauch, den hl. Theobald als Bischof darzustellen, weist der oben erwähnte Mirakelbericht von 1448 hin, und in dem von 1469 wird der Zusammenhang Thanns mit Gubbio, wie ihn bekanntlich die Baseler Urkunden von 1369 bezeugen, von neuem bestätigt. Wenn Lempfrid diesen ihm unbequemen Zeugnissen keine weitere Beachtung schenkte, so entsprach dies ganz seiner Handlungsweise.
Zur Kritik forderte auch der Satz heraus, dass "die Inschrift auf den aus Thann als Andenken an die Wallfahrt dorthin oder zur Erinnerung an Errettung aus Todesgefahr auf Anrufung St. Theobalds hin von den Pilgern mitgebrachten neuneckigen Ringen den Thanner Patron nicht als 'Bischof', sondern nur als 'hochwürdigen Bekenner' bezeichnete".63) Trotz einiger Bedenken hat Lempfrid diese von Deeke übernommene völlig unhaltbare Leseart für richtig erklärt.64)Um zu beweisen, dass man in allen Schichten des Volkes in St. Theobald "nicht den Bischof von Gubbio, sondern den Einsiedler aus dem Hause des Grafen von Champagne verehrte", berief er sich auf eine 1513 von Johann Grieninger gedruckte Heiligenlebensammlung65), als ob sie irgendwie Quellencharakter besässe. Schließlich gelang es unserem findigen Verfasser, am Eckhaus Nr. 1 der Rangengasse in Thann eine 75 cm hohe beschädigte Steinstatue zu entdecken, die einen jungen bartlosen Mann "von etwas weichen aber edlen Zügen zeigt". Ueber dem feinmaschigen Panzerhemd trägt der Jüngling ein Gewand ohne Gürtel. Die Rechte fasst lose Griff und Heft des an seiner rechten Seite angelehnten Schwertes, während die flache Linke ein wenig nach aufwärts gehoben mitten auf die Brust gelegt ist. Die Herstellung der Statue, die nach Lempfrid den hl. Einsiedler Theobald, den Grafensohn, zeigt, wird von ihm noch vor die Mitte des 14. Jahrhunderts gesetzt.66)
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Auf alle diese Kombinationen und Annahmen eine ausführliche Antwort zugeben, wäre unnütze Arbeit und grosser Zeitverlust. Sie zerrinnen in nichts, so bald man auf die alte Thanner Tradition, die doch massgebend ist, zurückgreift. Und diese tritt uns entgegen in einem Ablassschreiben, das 10 Erzbischöfe und Bischöfe am 7. Juni 1340 für die Liebfrauenkirche in Althann und deren Tochterkirche St. Theobald in Thann ausstellten. Es ist heute noch im Original erhalten.67) Was der Thanner Patron im Leben gewesen ist, das macht eine den Ablassbrief schmückende Miniatur deutlich sichtbar.68) St. Theobald, in dessen Ehre die Thanner Kirche geweiht ist, so meldet die Urkunde, erscheint darauf in bischöflicher Kleidung. Der eine Mitra tragende Heilige hält in der Rechten den Krummstab und in der Linken ein Buch. Durch diese Miniatur ist auch bewiesen, dass die vorhin erwähnte Steinstatue nicht den Patron von Thann, sondern einen Ritter oder Angehörigen der Pfirter Grafenfamilie darstellt.
Wie das Bild der Ablassurkunde, zeigt auch das Thanner Stadtsiegel (1417) den Patron in vollem bischöflichen Gewand. Lempfrid selber ist geneigt, dessen Entstehung aus stilistischen gründen in die 80er Jahre des 14. Jahrhunderts zu datieren.69) Durch diese Feststellung hat die Thanner Ueberlieferung einen neuen, höchst wertvollen Stützpunkt gewonnen. Lempfrid, der nicht wusste, wie er sich damit abfinden sollte, entdeckte in der Not einen Ausgang. Er erklärte kurzerhand, dass "diese bis jetzt nachweisbar älteste Darstellung (zwischen 1380 und 1390) des Thanner Patrons als Bischof auf dessen Verwechslung mit dem Vienner Erzbischof zurückzuführen" sei.70) Die Rettungsplanke, an die er sich klammerte, war der gleiche Name und die entfernte Blutsverwandtschaft mit dem hl. Einsiedler Theobald. Seine Flucht vor den Tatsachen hat ihm aber wenig geholfen.
Die Thanner Ueberlieferung, wie sie geradlinig von 1340 bis 1380 zieht, wächst von da an zu einem Strahlenbündel von Zeugnissen aus, die samt und sonders zugunsten des hl. Bischofs Theobald als Patrons von Thann aussagen. So die Urkunden71), der Vitatext72) des Heiligen, die Translationsberichte73), die Thanner Liturgie74), der Tomus miraclorum75), die Skulpturen in und am Münster76), die Glasgemälde77), das Thanner Siege78), die Denk- und Stadtmünzen79) und sogar die Stadtfahne80). Auf diese Weise hat sich die Thanner Tradition im 15. Jahrhundert ausgeprägt. Aus der mittelalterlichen Geschichte Thanns kann kein einziges authentisches Zeugnis, ganz gleich welcher Art, zugunsten des hl. Einsiedlers Theobald beigebracht werden, und das sagt genug. Die Thanner Tradition, die vom Ende des Mittelalters bis zum Jahre 1340 in allen ihren Aeusserungen einen einheitlichen Charakter aufweist, lässt sich über die urkundliche Bezeugung der St. Theobaldus-
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kirche vom Jahre 1317 bis 1311 verfolgen; denn im letztgenannten Jahre (1311), am Sonntag vor Allerheiligen, wurde die Thanner Franziskanerkirche vom Basler Weihbischof Martin zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit, Maria, von St. Jakobus dem Aelteren, Christophor, Erasmus episc. et mart., St. Theobald episc., St. Katharina, Barbara und Apollonia sowie des hl. Franziskus geweiht.81) Dass Tschamser, dem Thanner Franziskanerchronisten, das Weihezeugnis im Original oder einer Abschrift oder annalistischen Aufzeichnung des Klosters vorlag, ist kein Zweifel. Die Bezeichnung des hl. Theobald als "Bischof" darf, schon im Licht der die Thanner Tradition gesehen, nicht als willkürlicher Zusatz Tschamsers ausgegeben werden. Wenn bei der Weihe der Franziskanerkirche auch die hhl. Theobald und Katharina unter die Mitpatrone aufgenommen wurden, so geschah dies mit Rücksicht auf den Grafen Theobald und dessen Gattin Katharina, die als eigentliche Stifter des Barfüsserklosters zu betrachten sind, wie auch zur Ehrung des alten Kirchenpatrons von Thann. Da es für Lempfrid ausgemachte Sache war, dass dieser nur der Einsiedler Theobald seien konnte, unterdrückte er einfach die von Tschamser überlieferte Bezeichnung "Bischof"82). Oft verfuhr er auch anders, nämlich so, dass er Zeugnisse, die den bischöflichen Charakter des Heiligen erwähnten, behutsam im Anmerkungsapparat vergrub.
Unter der Einwirkung der Thanner Wallfahrt kam es im 14. und 15. Jahrhundert vielerorts zur Bildung von Kultablegern, wo der hl. Bischof Theobald, so wie ihn die Tradition Thanns kannte, in Verehrung stand. Durch eine Urkunde von 1364 erfahren wir, dass die Stiftskirche von Andlau einen Altar besass, als dessen Mitpatron der hl. Bischof Theobald genannt wird.83) Den Zusammenhang mit dem hl. Bischof Theobald-Ubald decken die Basler St. Theobaldkapelle und ihre Reliquien auf, welche uns durch Urkunden von 1369 längst bekannt sind.84) Unserem hl. Bischof wurde 1370 im Münster zu Strassburg ein Altar erstellt, auf den man 1386 eine Messpfründe stiftete.85) Im Dom von Konstanz begegnet uns 1383 der hl. Bischof Theobald als Mitpatron eines neu errichteten Altars wie auch auf Wandmalerein der Domkirche von Brixen, die aus der Zeit um 1400 stammen. Indem man hier Bischof Theobald neben den Strassburger Bischof St. Arbogast stellte und auch die hl. Odilia zur Darstellung brachte, setzte man die enge Beziehung Brixens zum Elsass ins hellste Licht.86) Wallfahrtseinflüssen verdankt auch die für 1403 und 1405 bezeugte St. Theobaldskapelle zu Wernigerode in der Provinz Sachsen ihr Entstehen. Wie hier, tritt uns der hl. Bischof ebenfalls in einer 1431 an der Marienkirche zu Rostock gestifteten Vikarie entgegen.87) Als solcher ist er noch dargestellt auf einem Flügelalter von 1519 in der evangelischen Kirche zu Wimpfen88) in Hes-
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sen Darmstadt sowie auf einem gemalten Flügel des Choralters im Münster von Ulm (1521).89)
Die Persönlichkeit des Heiligen, wie sie die Kultzeugnisse widerspiegeln, deckt sich mit der, welche die Thanner Tradition kennt. Dass auch das Bild, welches die Liturgie übermittelt, nichts Abweichendes enthält, liegt auf der Hand. Das Fest des hl. Bischof Theobald führt ein Kalender der Abtei Maursmünster, das um 1400 niedergeschrieben wurde, am 1. Juli.90) Ein Benediktiner-Diurnale aus Schaffhausen (Schweiz) bringt auf dem letzten Blatt einen Nachtrag von 1441, welcher eine Antiphon und Oration Theobaldi episcopi wiedergibt.91 Spätere liturgische Belege finden, da sie nicht in den Rahmen unserer Untersuchung passen, an einer anderen Stelle Berücksichtigung.
Nachdem wir am Ende unsere Untersuchung angelangt sind, drängt sich ein Rückblick über deren Ergebnisse selbstredend auf. Der Visitationsbericht von Gubbio aus dem Jahre 1593, der dem Translationsbericht von Thann ganz zu widersprechen schien, musste Zweifel an der Echtheit der Thanner Tradition aufkommen lassen. Hier stellte sich ein Problem, dessen Aufhellung Sache und Aufgabe der Geschichtsforschung war. Einen Lösungsversuch haben wir in der großangelegten Untersuchung Lempfrids zu sehen. Weil ihm das Visitationsprotokoll von 1593 wie eine völlige Verneinung der Beziehungen Gubbios zu Thann vorkam, blieb ihm nichts anderes übrig, als den hl. Einsiedler Theobald für Thann in Beschlag zu nehmen. Den Beweis, den er dafür zu führen hatte, konnte aber nicht glücken, weil ihm tragfähige Unterlagen fehlten und das häufige Dazwischentreten des hl. Bischof Ubald-Theobald ihn zwang, zu gewagten Kombinationen seine Zuflucht zu nehmen. Die Reliquienuntersuchungen von 1946 und 1947 lieferten die Bestätigung der Thanner Tradition, welche nachweisbar seit 1369 in dem hl. Ubald-Theobald den Patron der dortigen Kirche sieht. Und es besteht kein Zweifel darüber, dass er identisch ist mit dem hl. Bischof Theobald, der sich durch Thanner Zeugnisse von 1340, 1317 und 1311 belegen lässt. Im Einklang damit stehen von 1364 an laufende Belege, die sich auf elsässische und nicht elsässische Kultorte beziehen. Aus diesen Feststellungen erhellt, dass nicht der hl. Einsiedler Theobald von Provins, sondern nur der hl. Bischof Ubald-Theobald von Gubbio für Thann als Patron in Frage kommt. Damit ist auch der Aufstellung Lempfrids, wonach die von Graf Theobald zwischen 1307 und 1310 errichtete Thanner Kirche den hl. Einsiedler gleichen Namens zum himmlischen Schirmherren erhielt, der Boden entzogen. Zum Ueberfluss haben wir auch noch den Beweis erbracht, dass der angeblich von Graf Theobald erbauten ersten Kirche von Thann ein viel höheres Alter zukommt. Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Erzählung von dem deutschen Diener, der die Reliquie
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nach Thann brachte, an der Tatsache, dass der hl. Bischof Ubald-Theobald der Sprössling einer deutschen, in Gubbio ansässigen Adelsfamilie war, einen festen Rückhalt hat. Erfunden ist sie auf keinen Fall.
Bei näherer Prüfung erweist sich die Lempfridsche Untersuchung als fein ausgeklügelte und methodisch gut aufgebaute Kombination, die den einzigen Nachteil hat, dass ihr, wie allen Gedankenkonstruktionen ähnlicher Art, das geschichtliche Fundament abgeht. Die Richtigkeit des alten Spruches: Contra factum nihil valet argumentum hat auch unsere Gegenuntersuchung gezeigt.
Erst jetzt, da über die Person des in Thann verehrten Heiligen Klarheit besteht, hat es einen besonderen Reiz, den von dort ausgehenden Kultstrahlungen etwas nachzugehen. Im Vordergrund des Interesses steht natürlich die Wallfahrt, die im Mittelalter europäische Berühmtheit erlangt hat.

II.

Zur Geschichte der St. Theobald Wallfahrt im Mittelalter

Wenn der bekannte Kleinbasler Pfarrer Ulrich Surgant am Ende des Mittelalters schrieb1: "Do hyn, d. h. Thann2, auch mechtig gross wallfart ist uss allen landen, wann daselbs her vil mirackel und wunderzeichen geschehen", so liess er sich damit keine Uebertreibung zuschulden kommen. Wiewohl die Geschichte der Wallfahrt eigentlich noch nicht erforscht ist, führen die bereits erschlossenen Quellen und sonstige Berichte eine so deutliche Sprache, dass an der Richtigkeit des von Surgant ausgesprochenen Urteils mit nichten zu zweifeln ist. Wie weit der Aktionsradius der mittelalterlichen Wallfahrt reichte, beweisen die neuneckigen Theobalduszeichen, welche sich die Pilger in Thann besorgten und als wertvolle Gedenkstücke mit nach Hause nahmen, dass man sie Toten ins Grab mitgab, erhellt aus Funden, die in Gräbern in Lübeck, Jütland, Dänemark und England gemacht wurden.3
Wallfahrtsgeographisch äusserst wichtig sind die im oft erwähnten Tomus miraculorum zusammengestellten 215 Wunderberichte, die aus der Zeit von 1405 bis 1521 stammen. Ausser dem Elsass und Lothringen werden darin oft genannt Dänemark, Schleswig und Holstein, die Hansa-Städte Bremen, Stade, Hamburg, und Lübeck, dann Mecklenburg, Pommern, West- und Ostpreussen, Brandenburg, Westfalen, Sachsen, Thüringen und Schlesien; ferner Bayern, Württemberg und Baden sowie Hessen nebst dem Gebiet der Erzbistümer Köln, Mainz und Trier. Auch Liv-
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land Oesterreich, die Schweiz und die Niederlande sind darin vertreten, sogar Italien und England. Der Meistteil der Mirakelberichte bezieht sich auf das Elsass, die Niederlande, Dänemark, die norddeutschen Gebiete und Brandenburg.
An sonstigen Wallfahrtsorten werden im Tomus miraculorum mehrmals angeführt St. Nicolas du Port4, Einsiedeln5 und Wilsnack6 in der Provinz Brandenburg, bloss einmal St. Jakob de Compostela7, die hl. Stätten in Palästina und der Berg Sinai8 (St. Katharina), Gubbio in Italien9, U.l. Frau zu Kienzheim10 bei Colmar und zu Aachen11 und zuletzt Rom12.
Nun herrschte bei den Pilgern des Mittelalters der Brauch, Heiligtümer, die in der gleichen Himmelsrichtung lagen, auf einundderselben Fahrt zu besuchen. Dies lässt sich durch das Thanner Mirakelbuch belegen. So war mit der Fahrt nach Thann oft auch ein Besuch von Einsiedeln verbunden. Gelegentlich ging die Reise über Aachen, Thann und Einsiedeln, mit Gubbio oder Rom als Endziel. In einem viel grösserem Masstabe als hier liegen uns mittelalterliche Wallfahrtsprogramme in Geschichtsquellen Norddeutschlands vor, in denen Aachen, Thann und Einsiedeln als Zielpunkte der gleichen Pilgerreise genannt werden. Davon soll bald die Rede sein. Wie im Tomus miraculorum berichtet wird, erweist sich St. Theobalds Fürbitte hilfreich besonders bei Gefangenen und Kranken, bei Stein- und Bruchleiden, Krebs, Antoniusplage und Pestilenz, St. Valentinuskrankheit, gegen Würmer und Geschwüre, für Besessene, Wahnsinnige, Gelähmte, Verkrüppelte, Blinde, Verwundete, Frauen mit Kindsnöten und für Kindersegen. Auch in Seenot und Feuersgefahr gewährte der Heilige seine mächtige Hilfe. Diese wurde auch solchen zuteil, die sich bei Ueberfall von Feinden und Räubern, bei falscher Verteidigung, Verlust von Habe und Ehre, Absturz in einem Steinbruch, Not auf dem Eise und Erstickungsgefahr vertrauensvoll an ihn wandten. Ein Gehängter sogar wurde nach Anrufung des hl. Theobalds seiner Bande los. Bräuche, wie sie auch sonst das mittelalterliche Wallfahrtsleben kannte, hat der Tomus miraculorum festgehalten. Ihm ist zu entnehmen, dass manche Pilger, selbst solche, die aus weit entlegenen Gegenden kamen, den Weg barfuss zurücklegten, sei es, dass sie sich dazu durch ein Gelübde verpflichtet hatten, sei es dass sie aus Dankbarkeit für erlangte Hilfe den Heiligen in besonderer Weise ehren wollten. Wallfahrten dieser Art waren richtige Busswallfahrten.13 Auch für sogenannte Nacktwallfahrten enthält unser Mirakelbuch einen interessanten Beleg. Es wird darin berichtet, dass ein Mann und seine Gattin aus fernen "welschen landen" im Jahre 1473 eine Wallfahrt nach Thann unternahmen. Sie hatten Grund genug dem Heiligen zu danken, denn auf dessen Fürbitte war ihr totgeborenes, während acht Tagen in ungeweihter Erde ruhendes
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Kind im Grab wieder lebendig geworden. So konnte ihm die Taufe gespendet werden, und als es nach zwei Tagen starb, wurde es in dem "gewiheten Kilchhoff" begraben. Damit war das Seelenheil des Kindes sichergestellt und der grosse Schmerz seiner Eltern behoben. Dem Gelübde gemäss machten diese eine Wallfahrt nach Saint-Nicolas-du Port, zu U. L. Frau von Kienzheim und zu St. Theobald in Thann. Wie sehr der Vater das Entgegenkommen des Himmels zu schätzen wusste, gab er dadurch kund, dass er die Wallfahrt an den drei Orten nackt ausführte. Im Thanner Mirakelbuch heisst es ausdrücklich, dass "der vatter het sich also swerlich verheissen, das er nackendig one alle kleider wolte gon vntz er die vorgenannte verte alle geleistet. Also do er gon tann kam vnd sin vart geeistet, do bat er den Lüpriester (Leutpriester, plebanus) do selbs, das er jm erlaubt, sine kleider wider anzelegen, wenn er es jn solicher moss sich verheissen hett. Also wart er wider gekleidet vnd angeleitet mit sine kleidern".14 Solche Nacktwallfahrten waren damals nichts Seltenes. Dass darin eine Uebersteigerung der Frömmigkeit lag, ist unbestreitbar.
Um in den verschieden Anliegen Erhörung zu finden, versprachen die Bedrängten stets die Wallfahrt nach Thann nebst einem Opfer, das dort zugunsten des St. Theobaldusbaues niedergelegt wurde. In den meisten Fällen bringt der Tomus miraculorum keine näheren Angaben. Gelegentlich wurden aber auch besondere Gelübde getan. So gelobten 14 Schiffbrüchige für den Fall ihrer Errettung einen halben Zentner Wachs.15 Ein aus Kerkerhaft Befreiter trug auf seiner Wallfahrt nach Thann, wie er sich dem Heiligen gegenüber verpflichtet hatte, einen Ring am Arme.16 150 Mark hatte ein im Gefängnis schmachtender Edelmann versprochen, falls St. Theobald ihm Hilfe brächte. Diese ward ihm zuteil, aber er löste sein Gelübde in Thann17 bloss mit 20 Mark. Auch dies war für die damalige Zeit (1412) eine beträchtliche Summe. Herzog Swanteber von Pommern18 opferte nach erlangter Gesundheit dem hl. Theobald 6 Gulden und band sich durch Gelübde für die alljährliche Zahlung des gleichen Opferbetrages (1408). -- Für die Heilung seiner lahmen Frau rief der Spitalmeister von Worms 1472 den Heiligen von Thann an und versprach ihm als Opfer ein Pferd bzw. vier Gulden als Gegenwert in Geld.19 "Mit einem guldein opfer"20 oder "mit einem silbrin opfer"21 empfahlen sich Notleidende der Wundermacht St. Theobalds. Zur Befreiung aus Gefangenschaft gelobte ein Mann aus Sachsen eine alljährliche Fahrt nach Thann. Seinem Nothelfer St. Theobald zeigte er sich dadurch dankbar, dass er "jm an jeden finger vnd an jeder zehen eine brennende kertze" opferte.22 Die Opfer, welche die Pilger zum Bau des St. Theobaldmünsters beisteuerten, bestanden manchmal auch aus Kleidern und Röcken.23

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Den Macht- und Hilfsbereich des Heiligen machten auch die Weihegaben sichtbar. So erinnerte ein wächsernes Haus an die Errettung aus Feuersnot,24 ein "gemalter turn" an Erlösung aus Gefangenschaft wie auch Messer und Eisenringe, welche an einer Säule beim Eingang der St. Theobaldskirche befestigt wurden.25 Zurückgelassene Krücken wiesen ebenfalls auf den Nothelfer.26 Das gleiche taten auch eine Wachshand, ein Wachsarm und ein wächsernes Schiff.27 Erst recht liessen die silbernen und goldenen Weihegeschenke, welche die Reichen und Vornehmen spendeten, das Ansehen des Thanner Heiligen ihn den Augen des Volkes aufleuchten.28
Wie es scheint, erhofften kranke Pilger Linderung oder Genesung, indem sie um den Fronaltar des St. Theobaldsmünsters gingen.29 Eine kranke Frau aus Schlesien gelobte, falls ihr der Heilige helfe, auf allen Vieren um dessen Kirche in Thann zu kriechen.30
Leider wissen wir nicht genau, wie es um die Pilgerfürsorge bestellt war. Nur einmal macht der Tomus miraculorum eine Anspielung darauf, und zwar im Zusammenhang mit der Wallfahrt der Herzogs Swanteber und seines Gefolges. Zu Thann hatten diese vornehmen Herren in der Herberge "Zum Roten Löwen" Unterkunft gefunden.31 Ausser dieser Gaststätte wird es daselbst noch eine stattliche Anzahl anderer gegeben haben. Wie anderorts,32 war es in Thann sicher auch Brauch, dass Privathäuser grosse Teile des Pilgerstroms auffingen. Bei der Genügsamkeit der mittelalterlichen Menschen hielten sich deren Anforderungen in bescheidenen Grenzen, und trotzdem hob sich in Folge des ständigen Wallfahrerandrangs der Wohlstand der Thanner Bürger.
Der Tomus miraculorum ist insofern noch lehrreich, als er über die sozialen Verhältnisse und die Zusammensetzung der Pilger nach dem Geschlecht Aufschluss gibt. Es mögen 9% Frauen sein, die als Einzelpilgerinnen im Mirakelbuch verzeichnet sind. Das will aber noch nicht heissen, dass diese allein die Wallfahrt ausführten. Bei der Unsicherheit der Wege besonders in Kriegszeiten, war die Fahrt in geschlossener Gruppe kaum zu umgehen. Und wenn die Fürstin Tecla von Pommern oder die Schwester eines Ammeisters von Strassburg33 als Einzelpilgerinnen geführt sind, so wird man doch nicht annehmen dürfen, dass ihrer Fahrt auf dem Wagen das sichere Geleite fehlte.
Bietet der Tomus miraculorum auch nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus dem Thanner Wallfahrtsleben, so ist er in wallfahrtsgeographischer Hinsicht bis heute die Hauptquelle geblieben. Schade ist bloss, dass Stoffel es unterliess, der Ausgabe einen erläuternden Text beizugeben. Wenn Gottfried von Esmingen im Jahre 1290 Berichte über die Wundertätigkeit der Gottesmutter im Strassburger Münster zusammenstellte,34 so darf für Thann analog geschlossen werden, dass dem uns überlieferten


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Tomus miraculorum ein älterer vorausging. Dieser war sicher schon um 1700 in Thann nicht mehr auffindbar, sonst hätte der im dortigen Franziskanerkloster lebende Chronist Tschamser, der das jüngere Mirakelbuch ausschrieb, dem älteren ungleich mehr Beachtung geschenkt.
Das früheste direkte Zeugnis für das Bestehen einer St. Theobalduswallfahrt in Thann lag bis vor 60 Jahren in einem von 1405 datierten Wunderbericht des Tomus miraculorum vor.35 Arbeiten norddeutscher Historiker36 sowie eine der elsässischen Geschichtsforschung bis jetzt unbekannte, höchst wichtige Lübecker Quelle37 setzen uns instand, der Thanner Wallfahrt ein noch höheres Alter zuzuschreiben. Dass schon 1357 Pilger aus dem Norden Deutschlands nach Thann zogen, ist durch eine gleichzeitige Urkunde verbürgt.38 Wenn also um die Mitte des 14. Jahrhunderts der Ruf der St. Theobalduswallfahrt in so weit entlegene Gegenden gedrungen war,39 so setzt diese Tatsache eine Entwicklung voraus, deren Ansätze mindestens einige Jahrzehnte zurückliegen müssen.
Wie stark Norddeutschland an der Wallfahrt nach Thann beteiligt war, ergibt sich vor allem aus der urkundlichen Ueberlieferung von Lübeck. In 111 Testamenten, welche in der Zeit zwischen 1357 und 1470 für die Bürger dieser Stadt abgefasst wurden, steht die Bestimmung, dass nach deren Tod ein Pilger zu St. Theobald bzw. Ewald40 oder Enwald zu schicken sei. Hier handelt es sich um Wallfahrten, die einem Gelöbnis entsprangen, deren Ausführung jedoch Vertretern übertragbar war. Wie gross aber die Zahl der Lübecker war, die nach Empfang des Pilgersegens und nach Entgegennahme des Pilgerstabes, bloss mit einem Zeugnis des Pfarrers oder der weltlichen Behörde versehen, die Fahrt nach Thann antraten, ist nicht mehr erfassbar. Gering war sie, was die zahlreichen letztwilligen Verfügungen schon andeuten auf keinen Fall. Dies geht aus den sieben Berichten des Tomus miraculorum hervor, die sich auf Waller aus Lübeck beziehen. Demnach entfällt ein Dreissigstel der Wundermeldungen41 allein auf Lübeck. Aehnlich lagen die Verhältnisse in den anderen Städten Norddeutschlands. So erfahren wir durch ein Zeugnis von 1371, dass sich auch Hamburger Wallfahrer nach Thann in Bewegung setzten.42 Der Zug zur Gnadenstätte St. Theobald war in Kiel schon 1368 spürbar.43 Einen Gradmesser für die Bedeutung der Thanner Wallfahrt liefern die Beschlüsse norddeutscher Stadträte, welche weite Pilgerreisen unter Verbot stellten. Von der Auffassung, als habe den behördlichen Erlassen eine antirömische Tendenz zugrunde gelegen, hat man sich in Historikerkreisen dieser Städte längst frei gemacht. Die behördlichen Verwarnungen zielten, wie sie richtig erkannten,44 darauf hin, zu verhindern, dass die Bürger auf den weiten Reisen in Gefangenschaft gerieten und die Städte dadurch in widrige Händel verwickelt würden. Besonders in Kriegszeiten, in denen die ohnehin fragwürdige Sicherheit


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auf den Landstrassen doppelt gefährdet war, werden derartige Verbote dringend eingeschärft worden sein. Wismarer Bürgersprüche von 1344 belegten die weiten Reisen, "longas reysas", welche ohne Ratsgenehmigungen unternommen wurden, mit einer Strafe von zehn Mark in Silber. Warnungen solcher Art erliess der Rat von Wismar 1373, 1385, 1394, 1401, 1417 und 1418. Dadurch wurden in erster Linie die Handelsfahrten betroffen. Dass dadurch auch die Fernwallfahrten in die Warnung einbegriffen waren, geht aus einem Verbot von 1419 hervor, worin verschiedene Wallfahrtsstätten ausdrücklich erwähnt sind: so Aachen, Einsiedeln und St. Enwolde (- St. Theobald in Thann). Auch diesmal wurden Zuwiderhandlungen mit einer Strafe von 10 Mark Silber belegt, Knechte und Mägde mit Stadtverweisung bedroht.45 Unannehmlichkeiten für Stadt und Bürgerschaft suchte auch Hamburg dadurch vorzubeugen, dass es im Jahre 1454 Wallfahrten nach Aachen, Sankt Hülfe bei Göttingen, St. Enwalde und Einsiedeln bei Strafe untersagte.46 Zu solchen Massnahmen hatte die Stadt Rostock schon 1367 gegriffen,47 ohne jedoch die Fernfahrten, die unter das Verbot fielen, näher zu bezeichnen.
Dass die Befürchtungen der Städte keinem übersteigertem Angstgefühl entsprangen, lässt sich auch daran erkennen, dass selbst in anscheinend ruhigen Zeiten örtliche Fehden und die Raubgier adliger Herren die Sicherheit friedlicher Pilger, die sich dort eines besonderen Rechtsschutzes erfreuten, in Frage stellten. Es war im Jahre 1404, als Claus Wepfermann von Andlau einige Bürger von Erfurt, die nach St. Theobald in Thann wallfahrteten, überfiel und ausplünderte. Als er deswegen in die Reichsacht erklärt wurde, befahl der Kaiser dem Rat von Strassburg bei Strafe derselben Acht, Wepfermann ganz als einen Geächteten zu behandeln.48
Die Unsicherheit auf der Landstrasse und die Beschwerlichkeit der Reise hielten aber den mittelalterlichen Menschen nicht davon ab, heilige Stätten aufzusuchen, wo ihm die Wundermacht Gottes und der Heiligen helfend entgegenkam. Und hinderte ihn Altersschwäche daran, eine gelobte Wallfahrt selber auszuführen, so liess er dies wenigstens vertretungsweise tun. Auszüge aus 111 Testamenten, die das Wallertum der Lübecker in einem Teilschnitt zeigen, belegen gerade diese Wallfahrtsart. Gewiss waren die Auftraggeber von den besten Absichten beseelt, aber sie trugen, wohl unbewusst, dazu bei, dass dem Wallertum das seelische Gleichgewicht, die innere Kraft verloren ging. In fast allen Fällen lag die Wahl der stellvertretenden Pilger bei den Testamentsvollziehern; ob aber diese dabei immer eine glückliche Hand hatten, darf füglich bezweifelt werden. Es ist gewiss keine blosse Formel, wenn in zahlreichen Testamenten die Bestimmung steht, dass man einen "innigen, wahrhaftigen, biederen, ehrlichen Mann" auf die Wallfahrt sende. Nur zweimal ist von


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Frauen, die für die Stellvertretung in Betracht kamen, die Rede; die eine war die Gattin des Gelobenden. Auch arme Priester begegnen in zwei Testamenten als Ersatzpilger. Wallfahrtsorte, welche im Tomus miraculorum erwähnt sind, finden sich ebenfalls in den Lübecker Zeugnissen; dazu kommen noch einige neue. Als Pilgerziele werden genannt: Wilsnack, Köln, Aachen, S. Joste in Picardien (Saint-Josse-sur-Mer), St. Jokab de Compostela in Spanien, Cantelberg (England), St. Mathias in Trier, St. Nicolaus ad Portam (S. Nicolas-du-Port), St. Theobald oder Ewald (Thann), Einsiedeln, Rom und das Heilige Land. Ein Blick in Melle´s Schrift über die Lübecker Pilgerfahrten,49 die 1711 erschien, oder auch nur in unsere Wallfahrtsregesten genügt, um sich rasch von dem Weltruf den Thann im 14. und 15. Jahrhundert genoss, zu überzeugen. Beweisend genug ist die Tatsache , dass man es in Lübeck für überflüssig hielt, die Wallfahrt "to sunte Enwolde oder Ewold oder Theobald" durch Beifügung des Ortsnamens kenntlich zu machen.
Wallfahrtsorte, die in der gleichen Richtung lagen, wurden auf einer Reise besucht. Dies wird in den Berichten eigens betont. So finden wir zusammengestellt: St. Ewald und Rom, öfter Aachen und St. Ewald; dann Aachen, St. Ewald und Einsiedeln und schliesslich oft St. Ewald und Einsiedeln. Der stellvertretende Pilger erhielt, wie in drei Testamenten angeordnet ist, 10 Mark für die Fahrt nach St. Ewald; kam noch Einsiedeln dazu, so erhöhte sich die Summe auf 12 Mark. Dreimal wird testamentarisch bestimmt, dass das Geld für die Wallfahrt durch den Verkauf des besten Kleides oder Rockes beschafft werden soll. Bruno Sprengher setzte 1370 fest, dass man den Pilger "wohl lohne, auf dass mir Gott barmherzig sei", und 1436 verfügte Verekeren, man solle den Waller redlich entlohnen, "auf das er unsern Herrgott desto treulicher für mich bitte". In ähnlicher Weise ist in den sonstigen Testamenten der Gedanke ausgesprochen, dass die Fahrt und das Gebet des Pilgers der Seele des Toten zugute komme. Ausnahmsweise wird auch das Opfer, das der Waller an der Gnadenstätte in Thann niederzulegen hatte, näher bezeichnet. Bald ist es ein 1/2 Nobile oder eine Mark, bald sind es drei Wachslichter von je einem Pfund.50
Indem die 111 Testamente aus Lübeck die engen Beziehungen diese Stadt zu Thann aufdecken und diese zeitlich bis zum Jahre 1357 hinaufführen, bilden sie in wallfahrtsgeschichtlicher Hinsicht eine wertvolle Ergänzung zum Tomus miraculorum. Auf letzteren werfen noch weitere Nachrichten, die aus norddeutschen Gebieten vorliegen, ein neues Licht. Oben haben wir schon darauf hingewiesen, dass Pilger aus Kiel schon 1368 und solche aus Hamburg 1371 zum Thanner Wallfahrtsort zogen. Auch in Hamburg herrschte der Brauch, nur einen Einzelpilger auszusenden, wenn es sich um den Besuch der Wallfahrtsorte Aachen, Thann und Ein-
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siedeln handelte. Dies geht aus Testamenten der Jahre 1410 und 1431 hervor.51
Mitunter kam es auch vor, wie Wismarer Urkunden von 1430 und 1454 beweisen, dass mit der Wallfahrt ein Sühnezweck verbunden war.52
Der Rat der Stadt Kiel pflegte jedes Jahr dem hl. Ewald eine Opfergabe zu verehren. Die Spende überbrachte 1451 ein Mönch von Kiel. Dieser hatte die Bescheinigung, welche ihm ein Geistlicher des Wallfahrtsortes hierüber ausstellte, dem Kieler Stadtrat vorzulegen. Dem noch erhaltenen Schriftstück ist zu entnehmen, dass St. Theobald zu Thann in der Diözese Basel verehrt wurde.53
Dieses ausdrückliche Zeugnis wie auch die Aufeinanderfolge der auf der Fahrt zu besuchenden Wallfahrtsorte und die unterschiedslose Belehnung des Heiligen mit Theobald, Ewald oder Enwald haben norddeutsche Historiker schon vor etlichen Jahrzehnten zur Erkenntnis gebracht, dass Thann die Stätte war, welche mit ungewöhnlicher Werbekraft auf das Wallertum des Nordens einwirkte und an der Gestaltung der Volksfrömmigkeit mithalf.
Die Popularität des hl. Theobaldus im deutschen Norden konnte in den Gebieten, die dem Wallfahrtsort viel näher lagen, kaum geringer sein. Schon das Verzeichnis der im Tomus miraculorum angeführten Orte liefert hierfür die Bestätigung. Durch zwei neue Belege lässt sich die Reihe der Zeugnisse vermehren. Laien von Langenargen (am Bodensee) in Würtemberg hatten eine Wallfahrt nach St. Theobald gelobt, waren aber wegen der Unsicherheit der Wege nicht in der Lage, dieselben auszuführen. Im Herbst 1442 gab der Konstanzer Generalvikar dem dortigen Pfarrer die Vollmacht, das Gelübde in ein anderes gutes Werk zu verwandeln.54
Nach Thann zu pilgern, war im lothringischen Kollegialstift Münster so Sitte geworden, dass man ihr sogar in den Kapitalsstatuten von 1445 Rechnung trug. Stiftsherren, die eine Fahrt dahin unternahmen, waren zwei Wochen hindurch von der Residenzpflicht entbunden und erhielten während dieser Zeit auch die Präsenzgelder in Rechnung gestellt.55
Da die Kultgeschichte des hl. Theobald eigentlich nur die Kehrseite einer Wallfahrtsgeschichte darstellt, bedarf es keiner weiteren Begründung, wenn wir auf letztere auch das Spiegellicht der Kultzeugnisse fallen lassen.

III. Geschichtliches zum Kult des hl. Theobald

Ueberall da, wo es zur Bildung von Kultstätten kam,56 haben zweifellos Wallfahrtseinflüsse mitgespielt, und zwar wohl ausschliesslich.

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Wenn der Kult des in Thann verehrten Heiligen auch bloss durch gelegentliche Funde bekannt ist, so haben wir trotzdem den Eindruck, dass ausser der Wallfahrt keine nennenswerten Faktoren dessen Entwicklung vorwärts trieben. Auffallend im Kult ist das Fehlen von Pfarrpatronaten, und dies liegt zu einem guten Teil daran, dass das Pfarrsystem zur Zeit, da der von Thann ausgehende Kult mächtige Wogen schlug, längst ausgebildet war. Was uns an Kultstätten und -zeichen begegnet, beschränkt sich deshalb auf Kapellen, Altäre, Vikarien, Bruderschaften und Bilder.
Der Ablassbrief von 1340 lässt den Rückschluss zu, dass die Wallfahrt nach Thann damals schon im Gange war. Was die Pilger in Bewegung setzte, das war das wundertätige Heiltum, dessen Einfluss auf die Wahl des Patrons der ersten zwischen 1200 und 1225 errichteten Thanner Kirche zweifellos bestimmend war. Auf den Patron der Thanner Filial- und Wallfahrtskirche nahmen die dortigen Franziskaner Rücksicht, als sie im Jahre 1311 bei der Weihe ihrer Klosterkirche den hl. Bischof Theobald zu deren Mitpatron wählten. In welchen Formen sich der Kult im Elsass während der nächsten fünfzig Jahre entwickelte, lässt sich wegen Mangels an Urkunden nicht mehr erkennen. Mit dem Jahre 1364 treten wir aus dem Dunkel heraus. Damals erstellte die Familie der Geroldsecker am Wasichen einen Altar in der Stiftskirche von Andlau, in dessen Patronat sich u. a. die hl. Bischöfe Theobald, Lazarus und Erasmus teilten. Als Mitpatron eines Altars im Neuen Spital zu Hagenau ist Theobald für 1369 bezeugt. Desgleichen für einen Altar im Strassburger Münster, dessen Errichtung in das Jahr 1370 fällt. Wie eine Urkunde von 1374 berichtet, besass St. Theobald in der dortigen Jung-St.-Peter-Stiftskirche ein Altarmitpatronat. Ein solches fiel ihm ebenfalls 1401 in der ausserhalb des Städtchens Barr gelegenen Marienkapelle zu. Da das Landkapital Rosheim sich schon 1415 nach dem Mons fratrum (Bruderberg) bezeichnete, beansprucht die 1415 erwähnte St. Gangolfs- und St. Theobaldskapelle des Bruderberges mindestens das gleiche Alter. Schon vor 1425 stand in der St. Georgskirche von Hagenau ein Altar, der den hl. Bischöfen Florentius und Theobald und noch anderen Heiligen geweiht war. Beatus, Theobald und Georg erscheinen als Patrone eines Altars, der um1450 in der St. Katharinenkapelle zu Mühlhausen errichtet wurde. Den hl. Theobald zeigt ein Wandgemälde der dortigen St. Stephanspfarrkirche, das von Kilian Mäder herrührt und der Zeit um 1515 zugewiesen wird. Besonderer Verehrung muss sich unser Heiliger in Hagenau erfreut haben, sonst wäre die Feier seines Festes in der Burgkapelle nicht mit einem Ablass verbunden gewesen. Eine 1506 gegossene Glocke von Mittelweier bei Rappoltsweiler verkündete laut Inschrift das Lob des hl. Diebold, und angeblich grüsst diese von einem 1514 gefertigten Flügelaltar, der früher
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der Stiftskirche von Neuweiler gehörte. Vielleicht reicht der St. Theobaldsaltar von Tagsdorf im Sundgau, mit dem vor der grossen französischen Revolution eine Rosenkranzbruderschaft verbunden war, noch ins Mittelalter hinauf. Welcher Art die früher in Sewen verwahrte Reliquie des hl. Theobald war, lässt sich nicht bestimmen.
Vom Sundgau geht unsere Fahrt gleich in die nahe Schweiz, wo wir in Basel kurz Rast halten. Der von Huglin erbauten Theobalduskapelle, die 1369 in den Besitz einer St. Theobaldreliquie aus Gubbio kam, haben wir keine Beachtung mehr zu schenken. Nur das sei hervorgehoben, dass dieses Heiligtum den frühesten Kultableger in der Schweiz darstellt. Dem überragenden Einfluss Thanns ist es zuzuschreiben, dass der Kult des Heiligen im Kloster Beerenberg bei Winterthur spätestens 1372 in Form eines Altares Wurzel fasste. Zu Galgenen im Kanton Schwyz besass St. Theobald 1477 einen Altar und das Mitpatronat der Pfarrkirche. In Schaffhausen und im Kloster Rheinau stand er gleichfalls in Ehren.
Der Ruf des mächtigen Wundertäters von Thann war durch Pilger bis nach Südtirol getragen worden, und er hatte dort zweifellos einen starken Widerhall gefunden, sonst wäre sein Bild im Kreuzgang des Domes von Brixen kaum erklärlich. Es datiert, wie auch die Gemälde von St. Odilia und Arbogast, aus der Zeit um 1400. Nur noch zu Holzern, im österreichischen Bezirk Melk, hat sich um 1450 ein schwacher Kultansatz bilden können. Ob zwei andere Kultstätten Südtirols auch ins Mittelalter zu setzen sind, kann aus den Quellen, die uns vorliegen, nicht geschlossen werden. Uebrigens scheint die Spärlichkeit unserer Zeugnisse, soweit die alte Donaumonarchie in Frage kommt, in Uebereinstimmung zu stehen mit der geringen Anzahl von Wunderberichten, die sich auf dasselbe Gebiet beziehen.
Viel stärker als das Thanner Mirakelbuch durchblicken lässt, hat sich die Wallfahrtsbewegung in Baden kultbildend ausgewirkt. Eine ansehnliche Zahl von Altären wie auch einige Kapellen kann St. Theobald sein eigen nennen. In Offenburg, das auch im Tomus miraculorum Erwähnung findet, übernahmen St. Michael, Theobald und Katharina in Jahre 1335 das Patronat der Friedhofskapelle. Einem Zeugnis von 1358 zufolge stand in dem westlich der Stadt Bühl gelegenen Dorfe Moos eine St. Theobaldskapelle. Die weiteren Kultstätten finden sich, bis auf eine, im südlichen Teil Badens, besonders in der Bodenseegegend, wie die restlichen im Tomus miraculorum erwähnten fünf Orte Konstanz, Stockach, Villingen, Britzingen und Muggardt (bei Britzingen), zeigen und das ist, von Thann aus gesehen, höchst bezeichnend. Die kürzeste Verbindung zwischen ihm und dem südlichsten Teil Badens stellte eben die im Rheinland ziehende Strasse her, die durch Basel auf elsässisches Gebiet führte. So
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wundert es nicht, wenn sich für 1382 in Pfullendorf, 1383 im Dom von Konstanz und 1404 im dortigen Stift St. Stephan Altäre des hl. Theobald feststellen liessen. Ein solcher stand 1441 auch in der Zisterzienserabtei Salem. Zu dessen Errichtung werden die engen Beziehungen zwischen ihr und der Zisterzienserabtei Lützeln den Anstoss gegeben haben. Seit 1474 hatte der Thanner Heilige das Mitpatronat an einem Altar im Münster von Ueberlingen, für 1479 ist ein Altar im Frauenstift zu Waldkirch bezeugt. Als Patron der Filialkapelle von Degerfelden, das zur Pfarrei Herten gehört, erscheint St. Theobald 1493. Da die Gründung der Kapelle ins 13. Jahrhundert fällt, muss dieser bei einem Neubau den ursprünglichen Patron verdrängt haben. Wenn man amtlicherseits neuerdings dazu überging, den hl. Bischof Ubald als Kapellenpatron auszugeben, so wollte man dadurch bloss einer Verwechslung mit dem hl. Einsiedler Theobald vorbeugen. Als Kultableger von Thann hat Degerfelden auch dessen Patron Theobald, der nachgewiesenermassen mit dem hl. Bischof Ubald identisch ist. In der Gegend des Bodensees liegt auch das Pfarrdorf Betenbrunn, in dessen Kirche sich eine Altartafel des 15. Jahrhunderts befindet, welche den hl. Theobald zeigt und so dessen Altarpatronat klar andeutet. In einem grossen Sprung geht es nun in Nordosten Badens, nach der Stadt buchen die im Odenwald liegt. Dort wurde in einer Kreuzkapelle ebenfalls im 15. Jahrhundert ein Altar eingeweiht, der u. a. die hl. Theobaldus, Jodokus und Valentin erhielt. Zuletzt sei noch auf ein nachmittelalterliches Patronat unseres Heiligen hingewiesen. Es tritt uns entgegen in dem Collegium s. Theobaldi in Freiburg, das 1564 als Erziehungsinstitut für studierende Kleriker aus dem Nachlass des Juristen Theobald Bapst errichtet wurde.
Auch wenn für Württemberg nicht die gleich grosse Zahl von Kultzeugnissen bis jetzt vorliegt, ist für die Annahme, als habe sich die Kultbewegung in geringerer Stärke hier geäussert, kein Grund vorhanden, zumal auf Württemberg ebensoviele Wunderberichte wie auf Baden entfallen. Schon 1362 trifft man einen Altar unseres Heiligen in der Pfarrkirche von Ulm wie auch 1384 eine ihm geweihte Kapelle in der Stadt Gmünd. Auch die Dörfer Schmie und Wildberg sowie die Stadt Göppingen besassen 1467 bzw. 1477 eine St. Theobalduskapelle. In Altensteig befand sich 1486 ein Altar des heiligen. Die Entstehung der für 1530 und 1554 bezeugten Kapellen in Oberbettringen und Altenmünster geht zweifellos auf mittelalterliche Wallfahrtseinflüsse zurück. Ob die St. Theobaldskapelle von Edelfingen auch so weit hinaufreicht, vermögen wir nicht zu sagen. Zu seiner Ehre hatte die Zisterzienserabtei Schöntal 57 einen Altar erstellt. Aus der Pfarrkirche von Ulm war 1492 der Altar des hl. Theobald ins Münster versetzt worden. Hier ehrte man noch 1521 den Heiligen dadurch, dass man einen Flügelaltar mit seinem Bilde
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schmücken liess. Schliesslich sei nochmals erwähnt, dass der im Wallfahrtsabschnitt berührte württembergische Ort Langenargen am Bodensee liegt.
Bayern, das in den Berichten des Mirakelbuches mehrmals genannt wird, trug dem Zug nach Thann auch kultisch Rechnung. Schon 1359 konnte sich St. Theobald das Mitpatronat in der Ratskapelle in Würzburg sichern. Mit St. Bartholomäus und Dorothea teilte Theobald seit 1380 ein Altarpatronat in der Klosterkirche St. Klara in Bamberg. Zwischen der oben genannten badischen Stadt Buchen und dem hessischen Städtchen Amorbach liegt der Filialort Watterbach. Dessen 1429 geweihte Kapelle erhielt die Gottesmutter, Katharina, Walburgis, Odilia und Theobald als Patrone. Eine Statue des Heiligen von etwa 1525 findet sich im niederbayerischen Ort Geisenhausen. Dadurch wie auch durch den Tomus miraculorum sind Thanns Beziehungen zu Niederbayern belegt.
Wie sich aus dem Tomus ergibt, war das Wallertum in Hessen ziemlich stark nach Thann orientiert. In unseren zwei gelegentlichen Funden, die sich auf die Städte Alzei und Wimpfen beziehen, kommt dies allerdings nur ganz schwach zum Ausdruck. Wenn man in Alzei bei der Weihe eines Altars im neuen Siechenhaus ausser Valentin, Jodokus, Odilia und Elisabeth auch St. Theobald zum Patron nahm, so entsprach deren Wahl so recht den besonderen Verhältnissen und Bedürfnissen.
Ob der 1340 im Dom von Trier errichtete Theobaldusaltar dem hl. Einsiedler oder dem in Thann verehrten hl. Bischof geweiht war, liesse sich bloss auf Grund einer genauen Quellennachricht entscheiden. Die Kapelle zu Modenbach in der Rheinpfalz dürfen wir unbedenklich dem hl. Bischof Theobald zuweisen. Das trifft auch zu für das Theobaldusbild an der spätgotischen Monstranz zu Winneckendonk im rheinischen Kreis Geldern, zumal das "gelrische land" im Tomus eigens erwähnt ist.
Dass auch die Provinz Sachsen zum Kultraum des Thanner Heiligen gehört, ist aus dem Tomus miraculorum zu erschliessen. Die Bestätigung hierfür liefern einige Kultzeugnisse. Eine zu Wernigerode um 1400 erbaute Kapelle stand unter dem Schutz des hl. Bischofs Theobald. In der Stephanskirche zu Aschersleben stand vor der Reformation ein Altar, der u.a. den hhl. Stephanus, Klemens, Vinzentius, Theobald und Odilia geweiht war. Die kultschöpferische Kraft der Wallfahrt trat besonders in der Stadt Braunschweig zutage. Drei Kirchen daselbst hatten unserem Heiligen das Patronat eines Altars überwiesen.
Wenn die äusserst regen Wallfahrtsbeziehungen von Hamburg und Lübeck zu Thann dem Kult eine Prägung gaben, wie sie sonst nirgendwo anzutreffen ist, so nimmt dies nicht wunder. Schon vor 1366 stand in der St. Peterskirche in Hamburg ein Theobaldusaltar, mit dem zwei Mess-
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pfründen verbunden waren. Die besondere Verehrung, welche man dort zu St. Theobald trug, führte im Jahre 1424 zur Gründung einer diesem Heiligen gewidmete Bruderschaft. Diese war verknüpft mit einem zweiten Theobaldusaltar, der auf Kosten ihrer Mitglieder in der Peterskirche errichtet worden war. Dem hl. Theobald hatte die Bruderschaft noch die hl. Odilia, Antonius und Apollonia als Patrone zur Seite gestellt. Die Rücksichtnahme auf die hl Odilia, die uns im Zusammenhang mit dem Theobalduskult schon mehrmals begegnete, findet ihre Erklärung darin, dass auch deren Wallfahrtsheiligtum im Elsass lag und gewiss auch von den Theobalduspilgern häufig besucht wurde. Wie in Hamburg hatte man auch in Lübeck zu ehren unseres Heiligen eine Bruderschaft gegründet.
Kultableger in Form von Altären und Vikarien fanden sich in den mecklenburgischen Städten Schwerin und Rostock. In erstgenannter Stadt gab es ebenfalls eine Ewaldsbruderschaft. Zu Premslow in Pommern wie auch zu Schwansen in Schleswig- Holstein besass der Heilige eine Kapelle und in der Stadt Preetz (Holstein), die der Tomus miraculorum ebenfalls kennt, das Mitpatronat an einem Altar.
Wie es um die liturgische Verehrung der Heiligen im Mittelalter stand, soll hier kurz angedeutet werden. In die Liturgie der skandinavischen Bistümer vermochte St. Theobald nicht einzudringen.58 Ihm gegenüber verhielten sich auch die meisten Bürger Deutschlands ablehnend. Sein Fest war im Kalender von Hamburg am 1. Juli vermerkt;59 in dem von Lübeck dagegen am 3. Juli.60 Mainz führte es am 1. Juli61 und Ratzeburg am 16. Mai,62 dem Todestag des Bischofs Ubald-Theobald, wie auch Brixen.63 In der Diözese Kammin fiel das Fest auf den 3. Oktober.64 Das grosse Bistum Konstanz wies dem Heiligen am 3. Juli einen Platz an.65 Für Basel, welches das Fest des Bischofs Theobald 1463 einführte, lag die Feier am 1. Juli, ebenso für Strassburg.66 Thann gehörte bis 1802 zum Basler Sprengel. Durch die in diesem Jahre erfolgte Angliederung des Oberelsass an das Bistum Strassburg wurde auch für Thann das kirchliche Verhältnis zu Basel gelöst, was sich für die Theobaldusliturgie bald nachteilig auswirken sollte. Mit St. Pantalus, Heinrich, Germanus, Ursicinus und Fridolin nahm auch Theobald eine Sonderstellung in der Baseler Liturgie ein. Seine Berücksichtigung in der Allerheiligenlitanei macht dies deutlich sichtbar.67 Im Heiligenproprium von Basel, das 1697 in Pruntrut erschien, hat das am 16. Mai gefeierte Fest des hl. Bischofs Ubald oder Theobald Duplexrang.68 Mit drei neuen historischen Lektionen ist dessen Offizium im Basler Proprium von 1710 ausgestattet.69 Die Feier sub ritu duplici kennt auch dieses Proprium wie das von 1738.70 Die seit 1697 bräuchliche Doppelbezeichnung des Heiligen und die Festfeier vom
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16. Mai waren dem Basler Missale von 1586 noch fremd.71 Beachtung verdient auch die Tatsache, dass der Heilige in der mittelalterlichen Liturgie der oberelsässischen Abteien Murbach und Münster keine Berücksichtigung fand.72 Der Liber vitae der Pfarrei Sewen von 1494 führt das Fest des hl. Bischofs Theobald, der Basler Liturgie entsprechend, am 1. Juli.73
Wie Basel, feierte auch Strassburg das Fest des hl. Bischofs Theobald noch im 16. Jahrhundert am 1. Juli.74 So tat schon die unterelsässische Benediktinerabtei Maursmünster um 1400.75 Damit kennen wir das früheste Zeugnis aus der alten Diözese Strassburg. Das Strassburger Proprium von 1779 liess den Heiligen fallen. So verfuhr man auch in Proprium von 1822, wiewohl das Oberelsass seit zwanzig Jahren dem Bistum Strassburg einverleibt war.76 In Thann und bei der Geistlichkeit des Oberelsass rief das absichtliche Beiseiteschieben des hl. Theobald begreiflicherweise Misstimmung hervor. Ihr trug Bischof Räss im Jahre 1865 insofern Rechnung, als er bei Neuausgabe des Propriums den 16. Mai als Fest des hl. Bischofs Ubald wieder zu Ehren kommen liess. Im Proprium von 1877 musste St. Ubald diesen Platz dem hl. Johannes von Nepomuk einräumen. Sein Fest war auf den 21. Mai verlegt worden.77 Im neuen Strassburger Offizium von 1900 wurde auch damit Schluss gemacht, und bei dieser geschichtlich völlig unbegründeten Ignorierung blieb es bis heute.78
Dass St. Theobald als Patron der Schuhmacher gilt und Schuhmacherzeug als sein Attribut bezeichnet wird,79 sei hier nur nebenher erwähnt; ebenso sein Einfluss auf die Namensgebung.80

Regesten zur Wallfahrtsgeschichte

I.

Zeugnisse aus Lübeck

Ueber die Wallfahrten der Lübecker im Mittelalter handelt ein kleines Werk, das vor nahezu zweieinhalb Jahrhunderten in Lübeck erschien. Es führt den Titel: De itineribus Lubecensium sacris seu de religiosis et votivis eorum Peregrinationibus vulgo Wallfahrten, quas olim devotionis ergo ad loca Sacra susceperunt, commentatio. Auctore Jacobo a Melle, pastore Lubecensi Mariano. Lubecae apud Petrum Böckmann 1711, Typis Samuelis Struckii. Das Buch fanden wir auf der Münchener Staatsbibliothek, wo wir es 1934 einsahen. Dabei leitete uns der Gedanke und die Hoffnung, unsere Odilienzeugnisse durch einige neue Funde bereichern zu können. Auf die rasche Durchsicht folgte eine bit-
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tere Enttäuschung, doch bloss in einer Richtung. Denn was das Büchlein an Urkundenstoff über die St. Theobalduswallfahrten der Lübecker enthielt, bot wahrlich eine überwertige Entschädigung. Trotz der grossen Bedeutung, welche der Schrift des Lübecker Pfarrers von Melle zukommt, dachte im Elsass bis jetzt noch niemand daran, diese Fundgrube irgendwie auszunützen. Und die Arbeit hätte sich sicher gelohnt, da sich darin mehr als 110 urkundliche Nachrichten des 14. und 15. Jahrhunderts befinden, die sich alle auf die Theobalduswallfahrt beziehen. Sie werden hier in chronologischer Anordnung und mit jeweiliger Verweisung auf die Seitenzahl des Melleschen Buches vorgelegt. Inhaltlich sind sie nur eine gekürzte Wiedergabe der dortigen Urkundenauszüge (Testamente), soweit die Thanner Wallfahrt in Frage kommt. Die fast durchweg niederdeutsch abgefassten Testamentsbestimmungen werden dem Leser, sobald er deren formelhaften Aufbau eingedrungen ist, keine Schwierigkeiten bereiten.

1357. Otto Bone, in testamento dicens: Item (volo) quod mittatur nuncius sive peregrinus ad S. Theobaldum, ad supplendum votum per me factum. Melle S. 109.

1363. Ait Johannes Holenbeke: Item volo, quod provisores mei conducant unum virum ad sanctum Ewaldum, et unum Akis (Aachen), passagium faciendo, de pecunia Domini mei et mei. Melle S. 26.

1367. Ludekinus Rutenstein demandat, dicens: Item, si moriar, tune volo, quod Heijnekinus, aut Ludekinus, meorum patruorum prescriptorum unus, faciat unam Reysam (Reise, Wallfahrt) ad Dominam Nostram in Aquis (Aachen) et ad Coloniam; altar eorum debet facere unam Reysam ad S. Enwaldum, anime mee pro salute. Melle S. 17f.

1367. Wesselus de Ozenbrugghe: Item volo, quod tres peregrini de bonis meis emittantur peregre, quorum duo mittantur ad Dominam Nostram in Aken, et unus ad sanctum Theobaldum. Melle S. 109.

1370. Bruno Sprengher: Item scolen myne Vormundere to hand na mynem dode vtsende 1 Man to Rome, 1 to Eensedelinghen (Einsiedeln), 1 to sunte Ewolde… vnde scolen en wol lonen van mynem redesten Gude, vp. Dat my God barmhertich sy. Melle S. 49.

1373 Magareta Todinghusen, Godefridi vidua: Item do 10 marcas pro 1 reysa ad S. Theobaldum. Melle S. 109.

1376. Hinricus de Cerben: Item volo, quod duo peregrini de bonis meis emittantur peregre ad Dominam Nostram in Aquis et duo peregrini destinentur ad S. Theobaldum, in salutem anime mee. Melle S. 109.

1378. Johannes van der Heyde: Item volo, quod unus peregrinus destinentur, pro salute anime mee -- ad S. Theobaldum. Melle S. 109.

1380. Johannes de Borken: Item volo, quod unus vir emittatur peregre de bonis meis, qui destinetur versus Romam, ad S. Jacobum (Compostela in Spanien), ad Dominam Nostram in Cholmis (Golmberg in der Diözese Brandenburg), ad S. Theobaldum. Melle S. 109.


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1388. Ait Johannes Wittenborch: dat schal hebben Her Johan Zeghebode, de arme Prester, in de Ere Godes vnd schal don ene Reyse vor my to sunte Euwalde vnd sal bidden vor myne Sele, dewile dat er leuet. Melle S. 20f.

1390 Hinricus Fossert: Item adsigno ad hoc 20 marcas Lubec, cum quibus tres peregrini, videlicet unus ad S. Theobaldum ... per provisores meos destinentur. Melle S. 109.

1402. Hinricus de Minden, in fusca platea (=Braunstrasse): Item volo, quod unus peregrinus ad S. Theobaldum pro salute anime mee destinentur. Melle S. 109.

1406. Hermann van Minden. Item scal men senden eynen Man to Rome...vnde to S. Enwolde eynen. Melle S. 49.

1406. Herderus Duncker. Item so sy witlik, dat ik eyne Reyse sculdich hin to sunde Eynwalde, vnde ik will, dat mine Vormundere dar mit den ersten senden eynen Pelegrimen na minem dodo vmme Wibeken Stubben Selen Salicheit willen. Melle S. 49.

Eodem Anno 1406. Nicolaus (Clawes) Stenrot: Item so wil ik, dat myne Vormundere scolen laten gan enen Pelegrimen to sunte Enwolde... to Salicheit vnde to troste myner Sele. Melle S. 49.

1407. Andras Tzyrenberch: Item wil ik, dat men sende....twe (zwei) Pelgrime to sunte Eynwalde... sollen sie lohnen, van mynem reydesten Gude....also vort na mynem dode. Melle S. 49.

1413. Ait Hans Borch: Item schal men enen Pelegrim senden to sunte Enewolde, vnd enen to Aken. Melle S. 29.

1413. Friderich Grawerd: Item scholen myne Vormindere senden enen Pelegrim to Aken, to sunte Enwolde vnde to deme Ensedelinge, in ener Reyse, en to gevende Arbeydes Lon. Melle S. 50.

1413. Eodem anno, Tidemann von Rentelen, sutor: So scholen myne Vormundere senden myt den 10 Marken enen ynnighen Man to sunte Eenwalde vnd vort to vnser Vrowen to den Eensedelingen to Troste myner Selen. Melle S. 50.

1413. Wibe Strelowen: Item wil ik, dat myne Vormundere, alto hand na mynem dode, vtsenden scolen... twe Pelegrimen to sunte Enwalde vnd vort to Ensedelingen vor myne, vor mynes Mannes vnd vor mynes Zones Zele in den hilgen Steden truwelken to biddende vnd jewelken syner Reyse yo redeliken to lonende. Melle S. 50.

1414. Johannes Nyewold: Ok scholen se senden ... enen anderen Pelegrymen, de schal vndereyniges gan ... to sunte Enwalde vnde to vnser lewen Vrowen to dem Enzedelinge, in ener Reyse, in heylsam myner Sele, en to gevende Arbeydes Lon. Melle S. 50.

1414. Johannes Brand: Item scolen mine Vormundere senden enen Pelgrimen, vnder eynnighes ga to Aken, to Trere (Trier), to sunte Enwalde... Melle S. 50.

1415. Hinricus vamme Zode: Item wyl ik, dat myne Vormundere vtsenden solen enen warahaftighen hedderven (biederen) Man.... to S. Enwalde, enen to Aken etc. is liken redeliken lonende, vp dat se alle myner Selen to Troste de Reyse truweliken vullenbringen. Melle S. 30.

1415. ait Johannes Colleman: Item wil ik, dat myne Vormundere senden binnen den ersten vier Weken (Wochen) na mynem dode eynen Pelegryme to S. Eynwalde, eynen to vnser leven Vrowen to Aken. Melle S. 30.


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1415. denuo Tidemanu von Rentelen, autor. So scholen myne Vormundere myt den 10 Marken vtsenden enen ynnighen Man to Aken, to sunte Enwolde ... Melle S. 50.

1417. Wernerus (= Wernecke) van Dortmunde: ...vort scholen se senden twe Manne to Aken, enen Man to sunt Enwolde.... Melle S. 50.

1418. Tidemann Wippervorde: Item wil ik, dat mene Vormundere vtsenden enen Pelegrimmen to sunte Enwalde... Melle S. 30.

1419. Lambertus Eckeyg: .. Ok wil ik, dat se senden scholen enen Man ...to sunte Enwalde... Melle S. 51.

1419. Johann Langhe: Item wil ik, dat ...scolen se senden enen Pelgrimen to unser leven Vrowen to den Eensedelingen vnde to sunte Enwolde in ener Reyse to gande ...Melle S. 51.

1420. Michael Hinrikes: Item wil ik...schal men senden enen Pelgrymen to sunte Enwolde... Melle S. 51.

1421. Hans Stange, Eleri filius: Item wil ik, dat myne Testamentarien scholen twe Pelgrime senden, to sunte Thevolde... Melle S. 51.

1421. Gerwin Krummer: Item wil ik, dat myne Vormundere senden scholen Peregrinacien to thende eynen bedderven Man to sunte Enwalde... Melle S. 30.

1421. Wicholdus Ravensbergh: Item wil ik, dat myne Vormundere to hand na myneme dode vtsenden scolen enen bedderven Man Peregrinacien to thende to sunte Jacobe to Compostelle vnd enen to sunte Enwalde...Melle S. 51.

1421. Kaspar Rughenhagen: Item eneme Pelegrimen miner Selen to Troste to sunte Enwalde to sendende, geve ik 10 Mark. Melle S. 51.

1422. Liborius (Lubbert) Exen: Item… schal men senden.... enen bedderven Man to sunte Enwalde... Melle S. 51.

1422. Johann Lude, alias dictus van der Spysse. Item wil ik dat myne Vormundere senden scholen enen Man to sunte Enwalde...Melle S. 31und 51.

1422. Goswin Comhar: Item ... schal men senden von mynem Gude twe Man, enen jewelken to S. Ewolde vnd vort to dem Ensedelinge... Melle S. 51.

1422. Arnoldus (Arnd) Wychman: Item wyl ik, dat myne Vormundere senden scholen, myner Selen to Troste, enen Peregrymen to Aken, to S. Enwalde... Melle S. 51.

1423. Hinricus Cok religiosam profectionem versus S. Enewaldum vel Ewaldum institiut cuius rei gratia testamentum conditit, his verbis inceptum: ik Hinrik Cok, nach deme male dat ik thee to deme guden Heren to sunte Eenwolde vnde den Vruchten des dodes vnd de Vnwissheit mynes Levendes to allen Tyden vor my zeiten mud. Melle S. 13f. und 51.

1424. Johannes Langhe: Item so scholen se senden enen Pelegrimmen to vnser leven Vrowen to Ensedelinge vnde to sunte Enwolde in ener Reyse to gande. Melle S. 52.

1424. ait Johannes Wytmund: So wil ik, dat myne Vormundere senden scolen enen Peregrymen to Aken, to sunte Enwolde vnd to den Einsedelingen in ener Reyse to gande Melle S. 25; wiederholt auf S. 52.

1424. Johannes van Brylen: Item to schal men enen Pelegrymen zenden to sunte Jacobe vnde enen Pelegrymelen to sunte Eynwolde vmmer myner Sele Salicheit willen. Melle S. 45; wiederholt auf S. 52.


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1425. Pari modo etiam conthoralem (=uxorem) suam peregre mittit anno 1425 Henricus Rosenhaghen, dicens: Begehrende, dat ze Wybecke, myne lewe Husvrowe, myner Sele to Troste ene Reyse wandere to sunte Enwalde, alze ze my ghelovet heft. Melle S. 19; wiederholt S. 52.

1425. Henricus Sture: Item wil ik, dat ... senden enen Pilger to sunte Enwalde. Melle S. 52.

1426. Item jubet Johannes Storbeke anno 1426 testamento dicens: Item isset (=ist es), dat myn Wiff (Weib) Katherine dat Levend beholt na mynem dode, so schal se ene vrome Vrowen edder enen Mann to sik wynnen, vnd gan bynnen dem ersten Jare na mynem dode ene dubbelde Reyse to sunte Enwolde, to Troste vnd Saliheit vnser beyder Sele.Vnd stervet se ok bynnen der Tyt, zo scholen myne Vormundere dar 2 vrome Lude senden. Melle S. 19, wiederholt S. 52.

1426. Hans Dorne: Item so wil ik, dat.... senden scolen enen Pilger to sunte Enwolde. Melle S. 52.

1428. Gertrudis (=Ghese)van Wedele. Item... scolen myne Vormundere senden enen ynnigen Man to sunte Enwolde vnd dem scal man reddelik Lon geven von mynem redesten Gude... Melle S. 52.

1424. Lambertus Ekey: Item wil ik, dat myne Vormundere senden...enen Man to sunte Joeste in Vrankryke, enen to sunte Enwolde ... Melle S. 52.

1428. Johannes van Stade: Text wie vorhin : senden enen Man na mynem dode to sunte Enwalde. Melle S. 53.

1428. Detlevus Helmighes: So scholen myne Vormundere senden enen innighen Man to sunte Enwolde. Melle S. 52.

1429. Bernhard van der Vechte: Item wil ik, dat ...3 Peregrymen ...enen to sunte Enwolde. Melle S. 53.

1429. Gobelinus (Gobele) Hageboke: Item wil ik, dat myne Vormundere von mynem redesten Gude scholen laten ghan eyne Reyse to sunte Enwolde, de ik gelovet hebbe.[Fundstelle fehlt im Text] 1429. Johannes Spoddyn, nauclerus Lubecensis: ... schol men senden enen Pelegrimmen to den Enzedelen vnd de schol ok gan vp der sulven Reyse to sunte Enwolde. Mell S. 53.

1430. Hinricus Arends: ... Vort scholen myne Vormundere utsenden... enen Man to sunte Enwalde, to vnser leven Vrowen to den Eynsedelighen vnd vort to Aken, to samende in ener Reyse so ghande. Melle S. 32.

1431. Johannes Traghe bestimmt, dass nach seinem Tode vier Männer eine Wallfahrt zu seinem Seelen heil unternehmen; der vierte hat "to sunte Enwold" zu gehen. Melle S. 53.

1431. Stephan Grotinges ordnet testamentarisch an, dass man nach seinem Ableben "enen innighen Man to sunte Enwolde" sende... Melle S. 53.

1432. Conrad Grabowe: Item so schal men senden enen Pelegrimen to vnser leven Vrouwen to Aken, und desulve (dieselbe) Persone shal vortan gan to sunte Mathias to Trere (Trier) vnd vort to sunte Enwolde...Melle S. 53.

1432. Gerhardus (Gherd) Schwuweshusen: Item wil ik, dat men enen Pelgrimen sende tho dem hilghen Blode tho der Wilsnakke ( Wilsnack in Brandenburg mit Wallfahrt zum Heiligen Blute) vnd enen anderen tho vnser leven Vrouwen tho dem Een-


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sedelinghen, to sunte Enwolde vnde to vnser leven Vrouwen tho Aken. (Also drei Wallfahrten auf einer Fahrt). Melle S. 33.

1433. Burchard van Stade: Item will ik, dat Hilleke, myn leve Husvrowe senden schole enen Pelegrimen to sunte Enwalde. Melle S. 53.

1434. Herrmann van Nortem: Item wil ik, dat men sende einen Pilger to sunte Enwalde, und dieser ist redlich zu entlohnen. Melle S. 53f.

1434. Gheroldus Burmester: Item wil ik, dat myne Vormundere senden ... enen innighen Pelgrimen to sunte Enwolde. Melle S. 54.

1434. Nicolaus (Clawes) Fyole bestimmt durch Testament, dass ein Pilger nach Rom gehe und "in der sulven Reyse to sunte Enwolde". Melle S. 54.

1434. Martin Barendorp verfügt testamentarisch, dass man einen Pilger sende, "to sunte Enwolde und vort to vnser leven Vrouwen to den Ensedelen, dem schal man geven 12 Mark. Melle S. 54.

1434. Hinricus Tors ordnet durch Testament an, dass man einen Pilger "to sunte Enwalde" sende. Melle S. 54.

1435. Hinricus Vicke alias Grambeke: Ok wil ik, dat ze senden enen Pelgrymmen to sunte Enwalde, to den Enzedelinghen vnd to Aken in ener Reyse. Melle S. 33.

1435. Conradus (Cord) Brandes. Item wil ik, dat myne Vormundere nach meinem Tode einen Pilger senden "to sunte Yoste in Pickardien vnd enen anderen to sunte Enwolde" Melle S. 54.

1435. Arnoldus (Arnd) Nyestad: Item wil ik, dass man einen Pilger schicke "to sunte Enwalde". Melle S. 54.

1435. Petrus Brand: Item noch twe Pelegrime to sendende to sunte Ewolde vnd to vnser leven Vrouven to den Eynsedelinghen vor my vnde vor mynem Broder Hartwighe. Melle S. 54.

1436. Bernhard (Bernd) Jordens, pistor Lubecensis, verfügt testamentarisch, dass man eine Pilger sende "to sunte Enwolde... vnde men schal vorkopen (verkaufen) mynen swarten Rock mit dem Ellikes Vodere, dar von em syne Reyse to belonen de". Melle S. 54.

1436. ait Henningus Helmstede: "Item wil ick, dat myn Husvrouwe und myne Vormundere zenden scholen, alze ze erst kumen na mynem dode enen bedderven Prester to sunte Enewalde... vnd enen Prester to sunte Joeste" und noch zwei Priester für zwei andere Wallfahrten. Melle S. 21.

1436. Emeke Bussouwe: Item so bin ik begerende, dat men schal ... senden 1 Man to sunte Enwalde vnd vort to vnser lewen Vrouwen to Ensedelingen. Melle S. 54.

1436. Johannes Russenbergh: Item wyl ik, dat myne Vormundere zunder langhe togeringe [ohne langes Zögern] senden scholen enen Pelegrymen to sunte Enwalde vnd to Aken in ener Reyse em zynes Arbeydes redeliken to lonende to Salicheit myner Zelen [Seele]. Melle S. 33.

1436. Hans Wichardes: Item wil ik, dat myne Vormundere sunder lange Togeringe senden scholen enen Pelegrimen, to sunte Enwolde myt ener halben Nobelen dar to offerende ... vnde enen anderen to Aken. Melle S. 31. 55. 128.

1436. Hans Holthusen bestimmt durch Testament, dass man einen Pilger senden soll "to sunte Enwolde". Melle S. 55.


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1436. Bruno Sutthoff: Item so wil ik, dat men ...1 Pelegrimen senden schal to sunte Enwolde vnde vort to gande to den Ensedelen in ener Reyse. Melle S. 55.

1436. Gerhard Verekeren: Item wil ik, dat myne Vormundere senden scholen enen Pelegrimen to sunte Eenwalde, ene syner Reyse redeliken to lonenede, vppe dat he [er] vnsen Heren God deste truweliker vor my bidde. Melle S. 55.

1436. Simon Vritze: Item sende ik enen Man to sunte Enwolde. Melle S. 55.

1436. Johannes Tankenhagen: Item wil ik, dat myne Vormundere senden scholen ...enen, Pelegrimen to sunte Enwalde. Melle S. 55.

1436. Vitrico suo talia itinera injungit Tyle Myddeldorp anno 1436 dicens: Item mynem Steffvadere gheve ik … dar schal he dessen nascreven [nachgeschrieben] dre Reyse vore gan, also eyne Reyse to dem hilgen Plode Tor Wilsnacke, eyne Reyse to Aken vnde eyne Reyse to sunte Eenwalde vme Salicheit willen myner Zele. Melle S. 18 und 55.

1437. Henricus Lowenberch: Ok wil ik, dat men zende enen Pelegrymme to sunte Enwalde. Melle S. 55.

1437. Bernhard Osenbrugghe: "Item wil ik, dat myne Vormundere" drei Pilger aussenden... "enen to sunte Enwalde". Melle S. 55.

1437. Gerhardus (Gherd) van Minden: Item wil ik, dat men to Salicheit myner Sele vthsenden schal enen bedderven Man ene Reyse Pelegrimatze to gande to sunte Eenwolde, vnde ene dergelyken to gande to vnser leven Vrouwen to Aken, vnde ene erer Reyse redeliken to lonende. Melle S. 34. 56.

1438. Henricus Klokman: Ok scholen ze denne senden enen Pelegrymen to sunte Jacobe in Gallicien vnde enen anderen to vnsere leven Vrouwen to Aken, to den Ensedelinghen vnde to sunte Enwolde, in ener Reyse. Melle S. 56.

1438. Henricus Brutekouwe: Item wil ik dat ..... senden enen Pelegrymen to sunte Enwolde. Melle S. 56.

1439. Henricus Swarte: Item wyl ik, dat myne Vormundere scholen senden enen Pellegrymen to sunte Enwalde vnde vort to Aken in ener Reyse to ghande ... to Salicheit myner Selen. Melle S. 34.

1439. Hildebrand Swenghel: Item wil ik, dat .... scholen senden enen Pelegrymen to sunte Enwolde. Melle S. 56.

1439. Hinricus Badorp oder Badendorp: Item schal men ghan laten ene Reyse to sunte Eenwalde vnd vort to vnser leven Vrowen to den Eynsedelinghen vnd schal dar ok offeren dre (III) Waslichte van dren Punden. Melle S. 56.

1440. Conradus (Cord) Geysmer: Item wyl ik, dat myne Vormundere ... senden scholen enen Pelegrimen to sunte Eenwalde. Melle S. 35 und 56.

1441. Hans Twistman bestimmt testamentarisch, dass man nach seinem Tode einen Pilger sende "to sunte Eenwolde". Melle S. 56.

1441. Helmicus seu Wilhelmus (Helmich) Morink, pistor, verfügt durch Testament, dass ein Pilger "to sunte Enwolde" geschickt werde. Melle S. 56.

1441. Ludolphus (Ludeke) Vincke ordnet testamentarisch an, dass man nach seinem Tode einen Pilger "to sunte Enwalde" sende. Melle S. 56.

1442. Hans Hose setzt durch Testament fest, dass nach seinem Ableben Pilgerfahrten gemacht werden u. a. "to sunte Enwalde". Melle S. 56.


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1442. Merten Sternenbergh. So schal men senden enen Pelegrymen to sunte Enwolde vnde vort to vnser leven Vrouwen to den Ensedelinge vp ener Reyse. Melle S. 57.

1443. Johannes Kuleweyde: Item wil ik, dat men senden schole enen Pelegrimen to sunte Enwalde vnd enen anderen to Aken. Melle S. 35.

1443. Hans van Ghetelen: Item wil ik, dat myne Vormundere enen bedderven Man senden scholen to dem hilghen Blode to Wilsnacke vnde vort to sunte Enwalde. Melle S. 57.

1443. Gerhard (Gherd) Veerekkeren: Item wil ik, dat men senden schole enen erliken Pelegrimen to sunte Enwalde. Melle S. 57.

1444. Hans Louwenberch: Item myne anderen Cledere [Kleider] schal men vorkopen vnde laten myt dem Ghelde de Reyse gan, de hir na screven stat, alze ene Reyse to sunte Enwalde, ene to Aken. Melle S. 36. wiederholt S. 57.

1446. Hans Wolters: Item isset [ist es], dat ik storve vor der Akeschen Reyse, so wil ik, dat myne Vormundere mynen besten Rok vorkopen vnde enen Pelegrimen darvan wynnen in der Vart to Aken vnde to sunte Enwalde to senden enen redeliken dar vor to lonende to Salicheid myner Zelen. Melle S. 57.

1446. Cord (Conrad) Brandes: Item wil ik, dat myne Vormundere ... senden enen Pelegrymen to sunte Joste in Pickardien vnde enen anderen to sunte Enwalde. Melle S. 57.

1450. Arnoldus (Arnt) Schröder: ... schal men senden enen Pelegrimen to sunte Enwolde vnde don ene mede 1 Mark Lubek. To offerende vppe deme Weghe. Melle S. 57.

1451. Hans Rentsow: Itm so wil ik, dat men senden schal enen Pelegrimen..... to unser leven Vrowen to Aken vnde desulve vort to gande sunte Enwolde...al up ene Reyse to gande. Melle S. 57.

1451. Wernerus (Werncke) Herberdes. Ok schal he dar van gan ene Reyse to Exen [St. Johann Baptist- Wallfahrt in Mecklenburg] vnde vort an to sunte Enwolde. Melle S. 57.

1452. Hildebrand Swenghel: Item wil ik, dat myne Vormundere (provisores) sunder lange Togeringhe na myneme dodo enen Pelegrimen senden to Rom vnd enen anderen to sunte Enwolde. Melle S. 57.

1455. ait Hans Busse: Item wil ik, dat myne Vormundere scholen holden laten 3 Reyse: ene to Wilsnacke, ene to Aken vnde ene to sunte Enwolde. Melle S. 36.

1455. Hermann Hoppe: bestimmt durch Testament, dass man einen Pilger "to sunte Enwolde" senden soll. Melle S. 58.

1457. Johannes Boysenborch verfügt testamentarisch, dass seine Vormünder nach seinem Tode einen Pilger "to sunte Enwolde" senden sollen. Melle S. 58.

1458. Gottfried (Gotke) Langhe: Item to scholen myne Vormundere 2 Mans vnd 2 Vrouwen senden to sunte Eenwalde, jewelken besunderen…vnd scholen to sunt Eenwalde vnde to Eensedelinghen offeren in isliker Stede 3 Bremesche (Geld) van deme mynem. Melle S. 58. 128.

1461 Ditericus Wedeghe van Wartberch: "Item wil ik, dat myne Vormundere" nach meinem Tode einen Pilger "to sunte Enwalde" senden. Melle S. 58.

1461. Petrus van Vermeren: "Item wil ik ok, dat myne Vormundere" einen Pilger senden "to gande to sunte Enwolde". Melle S. 58.


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1462. Petrus Hase: Item so scal men laten gan ene Reyse to sunte Enwolde vnde to Akenin ener Reyse. Melle S. 37 und 58.

1470. Mathäus Pyl setzt durch Testament fest, dass man nach seinem Tode einen Pilger "to sunte Eynwolde" sende. Melle S. 58.

1453. Wegen Totschlags wird Hans Porate eine Sühne Wallfahrt für das Jahr 1454 auferlegt. Er muss Aachen, U. L. Frau in Einsiedeln und St. Eenwolde besuchen und sich dies jeweils schriftlich bestätigen lassen. Vgl. Codex diplomaticus Lubecensis IX, Lübeck 1893, 150f n. 148. Urk. vom 13. Juli 1453.

1467 Hans Erdmann hat für die Tötung des Hans Degener dem Bruder desselben, Tideke, 12 Mark lub. bezahlt und zugleich sich verpflichtet, eine Wallfahrt nach St. Enwald, Wilsnack und Einsiedeln zu unternehmen. Ebd. IX, 55 n. 56, Anm. Urk. vom 28. Okt. 1467.

II. Zeugnisse aus Hamburg, Wismar, Kiel und sonst (Mecklenburg)

1. Aus Hamburg

1412. Der von G. Stoffel herausgegebene Tomus miraculorum s. Theobaldi, Colmar 1875, berichtet von zwei Hamburgern, die im Jahre 1412 nach Thann pilgerten, dass sie damit dem hl. Theobald für ihre Errettung aus Seenot danken wollten.

1371. Durch Testament vom Jahre 1371 wurde bestimmt, dass ein peregrinus ad S. Theobaldum zu gehen habe, um pro anima Bernevuer zu beten. Hans Nirrnheim, Ueber die Verehrung des hl. Theobald (Enwald) in Hamburg, in : Festgabe zum 21. Juli 1905 Anton Hagedorn gewidmet. Hamburg und Leipzig 1906, S. 9.

1390. Die Witwe Beke Slodern setzte im Jahr 1390 in ihrem Testament 4 fl. aus, die unter gewissen Voraussetzungen zur Ausrüstung von fünf Pilgern verwandt werden sollten. Der erste von ihnen sollte nach Rom, der 2. nach Aachen, der 3. nach Trier, der 4. zum hl. Enwold, der 5. zum hl. Jost [St. Josse-Sur-Mer in Nordfrankreich] wallfahrten, Nirrnheim, S. 9.

1410. Claus Timme ordnete testamentarisch an, dass nach seinem Tode ein Pilger nach Aachen, zum hl. Enwald und nach Einsiedeln gehen sollte. Nirrnheim, S. 9.

1431. Hans Bekeman vermachte 1431 seinem Oheim 4 fl., damit er zum hl. Enwald und nach Einsiedeln wallfahre und für seine, des Testators Seele bete. Nirrnheim, S. 9.

1454 Dass die Wallfahrt nach Thann in Hamburg nichts Aussergewöhnliches war, erhellt auch daraus, dass der Stadtrat sie - und ausser ihr die Pilgerfahrten nach Aachen, Göttingen und Einsiedeln - im Jahre 1454 bei Strafe untersagte. Das Verbot bezog sich bloss auf dieses Jahr. Die Verordnung besagte, "dat nemend unsser borghere, borgherssen unde inwoners pelegrimates to Aken, to sunte Hulpe (Sankt-Hulpe bei Göttingen), to sunte Enwalde und to den Enzedelinghen wandern und trecken (ziehen) schal in dessem jare". Nirrnheim, S. 9.

2. Aus Wismar

Die Wismarer Bürgersprüche von 1341 belegten die weiten Reisen "longas revas", welche ohne Ratsgenehmigung unternommen wurden, mit einer Strafe von
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zehn Mark Silber. Dietrich Schröder (Archidiakon an St. Maria in Wismar), Kirchenhistorie des paptistischen Mecklenburgs Bd. II Wismar 1739, 1259.
Warnungen ähnlicher Art durch den Rat von Wismar bezeugt für das Jahr 1373: Item. Nullus debeat peregre profisci sine consensu dominorum consulum. Mecklenburgisches Urk. Buch 10433. Vgl. Dr. F. Techen in Wismar, Der Nothelfer St. Theobald (Ewald) in: Jahrbücher des Vereinsfür mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde 60 (1895) 176; ferner für die Jahre 1385, 1394, 1401, 1417 und 1418. Techen a.a.O. 176f.
Wenn die Behörde vor langen reysas warnte, so hatte sie vor allem die Handelsfahrten im Auge. Dass aber auch Pilgerreisen in die Warnung einbegriffen waren, erhellt aus dem Verbot von 1419, worin verschiedene Wallfahrtsstätten mit Namen angeführt sind, darunter die von St. Enwolde: Item. Quod nullus debet peregrinari, nisi fiat com consensu dominorum consulum. Specialiter nullus civium debet peregrinari versus Aken (Aachen), Eensedelingen (Einsiedeln) sive Enwolde sub pena X marcarum argenti. Eciam nullus servus sive ancilla debet ibi peregrinari; qui contrarium fecerit, civitate carebit (=Stadtverweisung). Schröder Kirchenhistorie a.a.O. II 1829 und Techen, Der Nothelfer a.a.O. 177.
1430. In der Sühneurkunde von 1430 wurde die Stadt Wismar verpflichtet, zum Trost der Seelen der 1427 hingerichteten Ratsmannen und aller christlichen Seelen drei Pilger auszusenden: je einen zum hl. Ewald, nach Rom und St. Jakob de Compostela. Vgl. Techen a.a.O. 175.
1454. Mai 11. Damals kam zwischen Hermann Stolle zu Wismar und Reineke Teppenmacker aus Emden ein Vertrag zustande, mit der Auflage, dass der erste zur Sühne für den Tod eines Bruders von Reineke, der in Hamburg ums Leben gebracht wurden war, eine Wallfahrt nach Aachen, Einsiedeln und zum hl. Ewald auf sich nehme.
1468. Juni 1 bekannte sich Heinrich Swartekop Herrn Dietrich Hinrichs schuldig auf 50 Mk. lüb., die er ihm nach seiner Rückkehr von der Fahrt zum hl. Ewald zu zahlen versprach.

3. Aus Kiel und sonst (Mecklenburg

1368. Im Testament des Kieler Bürgers Henneke Vetel wird bestimmt, dass ein Pilger ad sanctum Theobaldum proprie Ennewalde zu reisen habe. Auch hier wird Theobald und Ennewald gleichgesetzt. Vgl. Dr. Crull in Wismar, S. Ewald, in Mitteilung des Vereins für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde 4 ( 1889-1890) 84.
1367. Im Jahre 1367 war Johann Wozetze socius et familiaris des Nikolaus Kröplin zu Lübeck auf der Wallfahrt zum hl. Ewald gestorben. Mecklenburgisches Urk. Buch 9625, siehe Techen, Der Nothelfer St. Theobald a.a.O. 175.
1367 Oktober 6. Beschlüsse, zu denen sich bekanntlich der Rat von Wismar gedrängt sah, wurden auch in anderen Städten Mecklenburgs gefasst. Dies wäre übrigens anzunehmen, selbst wenn nicht beispielhalber ein Entscheid der Stadt Rostock vom 6. Oktober 1367 vorläge. Dieser hatte folgende Fassung: "Item concordaverunt (die Ratsherren), quod nullus de aliqua civitate tam viroum quam mulierum nullibi pergat in peregrinicione, nisi de consilio consulatus suae civitatis. Et istud durabit usque ad festum pasche". Techen a.a.O. 177 Anm.2.
Matthias Axekow, ein mecklenburgischer Edelmann, pilgerte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu St. Ewald und nach Einsiedeln. K. Schmalz,
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Kirchengeschichte Mecklenburgs I, Schwerin 1935 279. Für die Zustellung einer Textphotokopie stehen wir bei Herrn Prof. Dr. Josef Rest, Direktor der Universitätsbibliothek in Freiburg i. Br., in Schuld.

III. Zeugnisse aus Württemberg und Lothringen

1442 /43 Langenargen, Oberamt Tettang, Württemberg. Der Generalvikar von Konstanz gibt dem Leutpriester von Langenargen folgende Weisung: Johann und Konrad Koler, Laien, haben das Gelübde gemacht einer Wallfahrt nach St. Jodok (in Nordfrankreich) und einer zweiten nach St. Theobald; da sie wegen Unsicherheit der Wege dies nicht ausführen können, erhält der Leutpriester die Vollmacht, das Gelübde in ein anderes gutes Werk zu verwandeln. Dat. Oktober 1442- März 1443. Vgl. Regesta episcoporum Constantiensium IV, Innsbruck 1911, 97 n. 10684. Im Register, ebd. S. 521 wird irrtümlicherweise St. Theobald in Nordfrankreich vermutet.
1445 Münster, Kollegialstift, Kr. Chateau-Salins, Lothringen. Die Stiftsherren des Kollegiatkapitels St. Nikolaus zu Münster in der lothringischen Herrschaft Finstingen wurden, wenn sie eine Wallfahrt zum hl. Theobald in Thann unternahmen, laut Kapitalstatuten vom Jahre 1445 zwei Wochen lang von der Residenzpflicht entbunden und erhielten 15 Tage Präsenzgelder in Rechnung gestellt. Franz Cuny, Reformation und Gegenreformation im Archidiakonat Bockenheim. I Bd: Metz 1937, 102. 235. Aehnliche Bestimmungen waren in Münster für Wallfahrten nach Rom, Compostela, Einsiedeln, Aachen oder St. Eloy bei Metz vorgesehen.

Regesten zur Örtlichen Kultansiedelung

1. Kultzeugnisse aus dem Elsass

Thann. Franziskanerkirche
Am Sonntag vor Allerheiligen (31. Oktober) wurde die neue Franziskanerkirche geweiht zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit, Maria, Jakobus maj. Christophor Erasmus episc. et mr., s. Theobaldi episc. S. Catharinae, Barbarae et Appoloniae M.M.V.V. et s. Francisci durch den Basler Weihbischof Martin episc. Drepanensis. Malachias Tschamser, Annales oder Jahresgeschichten der Barfüsser oder minderen Brüder zu Thann. I Colmar 1864, 289.

Thann. St. Theobalduskirche
Durch Urkunde vom 8. Februar 1317 die der Baseler Offizial ausstellte, vermachte Elisabeth Gast von St. Amarin dem Altar des hl. Kreuzes "in ecclesia sancti Theobaldi in Tanne" verschiedene Zinsen. In Abdruck bei Lempfrid 106-108 n. 6. Eine nähere Bezeichnung des hl. Theobald, ob Einsiedler oder Bischof, fehlt.

Thann. St. Theobalduskirche.
Ablassurkunde, ausgestellt von 10 Erzbischöfen und Bischöfen in Avignon am 7. Juni 1340 für die Kirche U.L. Frau in Altthann und deren Tochterkirche St. Theobald in Thann : Universis sancte matris ecclesie filiis,


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ad quos presentes littere pervenerint. Nos miseratione divina Nerces Manasgardensis archiepiscopus, Petrus sancte Severine archiepiscopus, Thomas Tunnensis, Petrus Montismarani. Petrus Acernensis, Salmannus Wormaciensis, Bernardus Ganensis, Gratia (!) Dulcinensis, Sergius Pollensis et Petrus Calliensis episcopi salutem in domino sempiternam.
Serena virgo mater plena deliciis dulcis dei genitrix salvatoris.
Cupientes igitur ut ecclesia curata in Tanne consecrata in honore beate Marie et ecclesia filialis ibidem consecrata sancti Theobaldi, Basiliensis diocesis congruis honoribus frequententur et a Christi fidelibus iugiter venerentur, Omnibus vere penitentibus et confessis qui ad dictas ecclesias in festis Natalis domini, Circumersionis, Epiphanie, parasceves, pasce, ascensionis, penthecostes, Trinitatis, Corporis Christi ac omnibus festis beate Marie et sancti Theobaldi dictarum ecclesiarum pastronorum, sanctorum Petri et Pauli et omnium aliorum sanctorum apostolorum et evangelistarum, sanctorum Laurencii, Stephani, Vincencii Martini, Nicolai, Augustini. Et sanctarum Marie Magdalene, Katerine, Margarete, Agnetis, Agathe, Omnium sanctorum et animarum ac omnibus diebus dominicis causa devotionis, orationis aut peregrinacionis accesserint seu qui missis, predicationibus, matutinis, vesperis aut aliis quibuscumque divinis officiis ibidem interfuerint aut corpus Christi vel oleum sanctum, cum infirmis portentur, secuti fuerint sive in serotina pulsatione genibus flexis ter Ave Maria dixerint, gewährt jeder Bischof Ablass von 40 Tagen. Datum Avinione septima die mensis Junii anno 1310 pontificis domini Benedicti Pape XII anno sexto.
Original, Perg., verwahrt im Pfarrarchiv von Thann. Die Urkunde gehört zur Gruppe der illuminierten Ablassbriefe. Vgl. hierzu den aufschlussreichen Aufsatz von Josef Rest, Illuminierte Ablassurkunden aus Rom und Avignon aus der Zeit von 1282- 1340, in: Abhandlungen aus dem Gebiet der mittleren und neueren Geschichte und ihrer Hilfswissenschaften. Münster 1925, 148-168. Der Thanner Ablassbrief von 1340 zeigt oben links in der grossen U-Initiale die stehende Madonna mit dem Kinde, die Patronin der Pfarrkirche von Altthann, und in gleicher Grösse daneben den hl. Theobald als Bischof in niedriger Mitra, Buch in der Linken und Stab in der Rechten haltend. Der Heilige, der Patron der Filiale Thann, ist als Bischof, nicht als Einsiedler, dargestellt. Die beiden Miniaturen fallen durch ihre Längung auf. Sie sind, wie auch die anderen Ablassurkunden, an dem Austellerort angefertigt worden.
In mittelhochdeutscher Uebertragung findet sich der Thanner Ablassbrief von 1340, in Lempfrid 109f. n. 8.

Andlau, Stiftskirche
Die Vollzieher des von Johannes de Geroltzecke in Vasago verfassten Testaments stiften durch Urkunde vom 13. Mai 1361 eine Priesterpfründe auf den im Chor errichteten Altar, der geweiht ist "ad honorem Petri et Pauli, omnium apostolorum, sancte crucis, Theobaldi, Lazari et Erasmi episcoporum. Johannes von Geroldseck war Domherr von Strassburg, seine Schwester Kunigunde war Aebtissin von Andlau. Zum Trost und Heil Ihrer Seelen geschah die Stiftung. Urkunde (Orig.) in Strassburg. Arch.-Dép. H 2305 (2).

Hagenau. Neues Spital.
Der Altar ss. Theobaldi, Antonii et Francisci ist für 1369 bezeugt, mit Präbende. C. A. Hanauer, Cartulsire de l´église S. George de Haguenau. Strasbourg 1898, 558 n.1033. Joh. Negelin, S. Tieboltz Cappelan im neuen Spital, bezeugt 1417. Ebd. 230. 492. Zum Jahre 1369 vgl. V. Guerber, Histoire politique et religieuse de Haguenau,II Rixheim 1876, 281. Bei Clauss, Die Heiligen des Elsass ohne Beleg.


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Strassburg. Stift Jung St. Peter.
Ein Altar ss. Joh. Ew., Joh. Bapt. ac. Theobaldi episcopi bezeugt 1374. Ed. Lud. Stein, Die Geschichte des Kollegiatstiftes Jung-St. Peter zu Strassburg i. E., Freiburg n. Br. 1920, 90 Anm. 4 und Urkundenbuch der Stadt Strassburg. VII, 472 n. 1625.

Strassburg. Münster
Durch die Testamentsvollstrecker Hartliebs von Benfeld, eines Strassburger Bürgers, wurde 1370 der St. Theobaldusaltar errichtet. Grandidier, Essais sur l´église Cathédrale de Strasbourg, Strasbourg 1782, 354. Stiftung einer Pfründe auf dem Altar ss. Theobaldi episcopi et Antonii confessoris bezeugt durch Urkunde vom 21. August 1386. Vgl. Urkundenbuch der Stadt Strassburg. VII, Strassburg 1900, 649 n. 2253. St. Dieboldsaltar, 1394 erwähnt. Ebd. VI, Strassburg 1899, 512 n. 907.

Strassburg. Stift St. Thomas.
Der Stiftsherr Theobald Schenkbecher stiftete 1510 eine Präbende auf den St. Bartholomäusaltar der Stiftskirche zu Ehren Gottes, der Gottesmutter, der Apostel Thomas und Bartholomäus und des hl. Bischofs Theobald, seines Patrons. I. Schneegans, L´église de Saint-Thomas à Strasbourg. Strasbourg 1812, 79. 148.

Barr.
Marienkapelle ausserhalb des Städtchens, zerstört in der grossen französischen Revolution. Der Strassburger Weihbischof Frater Berthold, episc. Lyndinensis, weihte laut Pergamenturkunde vom Sonntag vor Maria-Geburt 1401 diese Kapelle; deren Altar erhielt bei dieser Weihe den hl. Valentin, Theobald und Anton als Patrone. Joh. A. Silbermann, Beschreibung von Hohenburg oder dem St. Odilienberg. Strassburg 1781, 67. Bei Clauss, Die Heiligen des Elsass ohne Quellenangabe.

Bruderberg, zwischen Rosheim und Bischofsheim,
Die Kapelle vom Bruderberg war schon unter Bischof Ruprecht (1439-1478) der Gottesmutter sowie den hhl. Gangolf und Theobald geweiht. Vgl. Statuta et ordinationes venerabilis capituli ruralis Montis Fratrum seu Oberehnheimense, nach einer Handschrift von 1779 hrsg. von Dracheux, in: Archivalische Beilage zum Ecclesiasticum Argentinense 1890, n.6, S.(77).

Hagenau. St. Georgskirche.
Johann von Berstheim, Bürger der Stadt, stiftet am 22. Sept. 1425 eine Pfründe auf den Altar ss. virginis Marie, ss. Materni, Ambrosii, Augustini, Gregorii, Jeronimi, Florencii et Theobaldi ac totius curia celestis. Hanauer, Cartulaire de S. George aaO 258 ff n. 538. In einer Urkunde vom 25. Oktober 1425 wird dieser Altar, mit den gleichen Heiligen, als neu bezeichnet. Ebd. 261 n. 539.

Mülhausen. St. Katharinenkapelle beim Leprosenhaus.
In der Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt sie zwei Nebenaltäre, die am 19. Mai 1477 geweiht wurden. Der zur Linken: St. Beatus, Theobald und Georg. J. Wagner, Les anciennes chapelles de Mulhouse, in: Revue catholique d´Alsace 41 (1926) 715f.

Mülhausen. Ehemalige St. Stephanuskirche
1858 Abbruch der alten St. Stephanuskirche. Unter dem Verputz wurden damals Wandgemälde festgestellt. So auch ein Gemälde in einer Fensternische, das den hl. Theobald zeigte. Wie noch andere Malereien stammt auch diese von Kilian Mäder


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(† spätestens 1524). Ausführung um 1515. Vgl. Marcel Moeder, Kilian Mäder. Un peintre Mulhousien de la Renaissance, in : Bulletin de la société industrielle de Mulhouse 120 (1946) 19-26 Fig. 1-6.

Hagenau. Burgkapelle.
Der päpstliche Legat Peraudi gewährt am 20. Aug. 1510 der ecclesia in der Burg Ablässe für "singulis festis bb. Virg. Marie, s. Joh. Bapt. et Evangel., ss. Ubalrici, Erasmi, Viti, Theobaldi, Wolfgangi… Hanauer, Cartulaire de S. George a.a.O. 458 n. 959.

Tagsdorf, Sundgau.
St. Theobald ist für die Zeit vor der Französischen Revolution als Patron eines Seitenaltars der Pfarrkirche bezeugt. Mit ihm war die Rosenkranzbruderschaft verbunden. J. Trouillat, Monuments de l´histoire de l´ancien évèché de Bâle. V, Porreu truy 1867, 104. Der St. Theobaldsaltar ist sicher älter als die Bruderschaft.

Mittelweier, bei Rappoltsweiler.
Daselbst eine schöne Glocke von 1506, mit der Inschrift: o sanct Anna und sanct Diebold, sanct Brigida, sanct Urben, bit g(ott)... Fr. X. Kraus, Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. II Strassburg 1884, 439.

Neuweiler.
Auf dem Flügel des Müllenheim-Altars von 1514, jetzt in der Gemäldesammlung zu Strassburg. Abb. Lichtdruck. Müllenheims Familienbuch 1886. I, Tafel 12, ist nach Clauss, die Heiligen des Elsass 134, der hl. Theobald als Bischof dargestellt. In Wirklichkeit ist es der hl. Deodatus, wie die Inschrift im Nimbus: Sant Dedolt (=Deodatus) klar beweist.

Sewen. Dekanat Masmünster.
Der Liber vitae von Sewen, im Pfarrarchiv von Sewen, enthält auf S.122 ein um 1630 angelegtes Verzeichnis der Reliquien, welche die dortige Kirche aus früherer Zeit besass. Darunter eine Reliquie Theobaldi.

2. Kultzeugnisse aus der Schweiz

Basel, Augustiner-Chorherrenstift St. Leonard.
Aus Dank für erlangte Hilfe lässt der Basler Bürger Huglin von Schöneck an dieser Stiftskirche vor dem Jahre 1369 eine St. Theobaldkapelle errichten und schenkt ihr 1369 Reliquien des hl. Bischofs Ubald, die er in Gubbio erhalten hat. Offenbar ist für ihn der Schutzheilige von Thann und der hl. Bischof von Gubbio identisch.
Am 20. Oktober 1369 werden die Reliquien in Prozession aus Kleinbasel nach der St. Theobalduskapelle an St. Leonard übertragen. Der Generalvikar von Konstanz lädt am 13. November 1369 die Gläubigen der Diözese zur Verehrung der Theobaldusreliquie ein und gewährt für den Besuch der Theobalduskapelle in Basel Ablässe. Der Rat von Basel setzt die Nachbarstädte in Kenntnis von dem Erwerb der Reliquie und deren Wunderkraft. Urkundenbuch der Stadt Basel. IV, Basel 1899, 310 ff n. 332 (1-3). Vgl. hierzu Lempfrid a.a.O. 16f. und Regesta episcoporum Constantiensium. II, Insbruck 1905, 378, n. 6098. Dieses Bestreben der Basler verrät ganz deutlich die Absicht durch In-Schwung-setzen ihrer neuen Wallfahrt wenigstens einen Teil des Pilgerstroms nach Basel abzulenken. Aehnliche Unternehmungen kennt übrigens auch die neueste Zeit.


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Beerenberg, ehemalige Augustiner- Choirherrenkloster bei Winterhur.
Für 1372 ist ein Theobaldusaltar daselbst erwähnt. F. A. Stückelberg, St. Odilia und elsässische Kulte in der Schweiz, in Revue alsacienne illustrée 8 (1906) 116.

Galgenen, Df. Kt. Schwyz.
Hier findet sich 1477 ein Altar des hl. Theobald. Stückelberg a.a.O. 116. Auch als Mitpatron der Pfarrkirche, erscheint er 1477. Vgl. Clauss, Die Heiligen des Elsass 132.

Schaffhausen, Stadt am Rhein.
Von hier stammt ein Benediktiner Diurnale, 14. Jahrhundert, mit Nachtrag von 1441. Derselbe (Bl. 371v) bringt eine Antiphon und Oration s. Theobaldi episcopi. Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich I, 3. Liefg., Zürich 1936, 225 n. 303. Die Handschrift zählt 371 Blätter.

3. Kultzeugnisse aus Österreich

Brixen, Südtirol, heute in Italien, Domkirche.
In einer Arkade des Kreuzganges sind auf Wandgemälden die Heiligen, die in Brixen und Chur besonders verehrt wurden, dargestellt. So Petrus, Cassian, Ingenuin und Albuin, Lucius, Florin, Arbogast und Theobald, Ottilie und Ursula, Gertrud, Pirmin und Sebastian. Entstehungszeit der Wandmalereien: um 1400. Werkstatt: Brixener Lokalmeister. Josef Weingartner, Die Kunstdenkmäler Südtirols, 2. Bd. Wien 1923 77. Die nebeneinanderstehenden hl. Bischöfe Arbogast und Theobald, in : Medard Bahrt, Der hl. Arbogast, Bischof von Strassburg (= Archiv für elsässische Kirchengeschichte, Jg. 14 (1939-1940) Colmar 1940, Bildanhang a 23. St. Theobald und Mitra, Buch und Stab (in der Rechten), den St. Arbogast mit der Linken umfasst.

Altprags (Bad), Pfarrei Niederdorf, Pustertal, Südtirol.
Erster Bau der Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, dem noch die vorderen Mauern angehören. Um 1800 vergrössert und in die heutige Form gebracht. Darin 3 Altäre. Das Bild des Hochaltars zeigt den hl. Theobald, signiert mit V. S. 1682. Weingartner, Die Kunstdenkmäler Südtirols, 1. Bd. Wien 1923 454f.

Froi (Bad), Pfarrei Gufidaun, mittleres Eisacktal, Südtirol.
Kapelle: neuromanische Bau. Ortsbezeichnung nach dem Patron: St. Theobald in Bad Froi. Weingartner a.a.O. II, 181.

Holzern, österreichischer Bezirk Melk.
Auf einem um 1450 hergestellten Glasfenster ist St. Theobald dargestellt. Clauss, Die Heiligen des Elsass 134.

4. Kultzeugnisse aus Baden

St. Märgen, Df. und ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift im Schwarzwald.
Turmkapelle, 1316 Weihe in hon. Omnium SS.. s. Michahelis archangeli,..s. Augustim, s. Nicolai, s. Erhardi epicoporum et s. Blasii, Benedicti, Bernhardi, Wilhelmi, Theobaldi et s. Antonii confessorum. Der Thanner Heilige (Bischof) kommt hier nicht in Betracht. A. Krieger, Topographisches Wörterbuch des Grossherzogtums Baden II, Heidelberg 1905, 764.


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Offenburg, Stadt.
Die St. Michaeliskapelle auf dem Friedhof ist nach einem Ablassbrief vom 12. Juli 1335 geweiht zu Ehren des H. Michael, b. Theobaldi, s. Catherinae und 10000 Märtyrer. Siehe Freiburger Diözesan- Archiv 38 (1937) 239 Anm. 5.

Moos, Amt Brühl.
Der Ort gehörte früher zur Diözese Strassburg. Daselbst Kapelle, bezeugt 1358 mit den Patronen: Nicolaus, Theobald, Erhard, Leonardus und Catherina. Hier steht der hl. Theobald zwischen 2 Bischöfen, also ist er auch als Bischof anzusehen. Krieger, Topographisches Wörterbuch a.a.O. II, 207.

Pfullendorf, Amt.
Im J. 1382 besitzt die Spitalkapelle daselbst einen Altar s. Theobaldi mit Messpfründe. Regesta episcoporum Constantiensium II, 450 n. 6664.

Konstanz, Domkirche.
Nicolaus Sätteli, Domherr von Konstanz, ist der Stifter des Theobaldusaltars. Bezeugt durch Urkunde von 12 Dezember 1383 Regesta episcoporum Constantiensium II, 455 n. 6716 und 3 (1926) l n. 6735. Diese Altar war geweiht in Honore sancti Theobaldi episcopi et beati Alexii confessoris. 1383. Kraus, Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden I, 114 nach Lempfrid 30 Anm. 4.

Konstanz, Stift St. Stephan.
Peter Glückhaft, Kanonikus von St. Stephan, hat gleichzeitig die Altarpfründe cum cura des hl. Theobald inne, 13. November 1404. Regesta episcop. Constantiensium III, 132 n. 7854. Der Theobaldusaltar ist nochmals für 1406 erwähnt. Ebd. III 143 n. 7954.

Salem, ehemal. Zisterzienserabtei.
Erwähnt ein Theobaldusaltar für 1441, Clauss, Die Heiligen des Elsass 132. Ein solcher noch vorhanden (1774-79). Siehe Hermann Ginter, Kloster Salem, in: Heimatblätter "Vom Bodensee zum Main", Nr. 41, Karlsruhe 1937, 12.

Ueberlingen Münster.
Elisabeth Widmer, Witwe des Ludwig Bibrach, Bürgers zu Ueberlingen stiftet und dotiert nach ihrem und ihres sel. Ehemanns Willen einen Altar zu Ehren des hl. Kreuzes sowie der hhl. Joh. Baptist, Ludwig, Elisabeth, Helena, Vitus, Bernhardinus, Barbara, Diebold, Bartholomäus und Jakobus, durch Urkunde vom 18. Oktober 1474. Vgl. Karl Obser, Quellen zur Bau- und Kunstgeschichte des Ueberlinger Münsters, in: Festgabe der Badischen Historischen Kommission zum 9. Juli 1917, Karlsruhe 1917, 105 n. 68. Siehe auch S. 228, Angaben nach Statuten von 1613.

Waldkirch. Stadt und ehemaliges Frauenstift.
Ein St. Theobaldusaltar daselbst durch ein Zeugnis von 1479 verbürgt. Clauss, Die Heiligen des Elsass 132.

Degerfelden, Pfarrei Herten, Amt Lörrach.
Eine Urkunde von 1493 bezeugt die Filialkapelle Degerfelden als unter dem Patronat des hl. Theobaldus stehend. Fr. E. Welti, Die Urkunden des Stifts St. Martin in Rheinfelden (=Aargauer Urkunden 5. Bd.) Aarau 1935, 262 n. 724. Eine weiter Erwähnung der St. Theobalduskapelle für die Jahre 1594 - 1596, in : Frei-


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burger Diözesan - Archiv 63 (1935) 276. Für die Kapelle wird heute der hl. Bischof Ubald statt Theobald als Patron angegeben. Siehe Handbuch des Erzbistums Freiburg. 1. Bd. Realschematismus. Freiburg i. Br. 1939, 509. Danach wurde die Kapelle im 13. Jahrhundert erbaut.

Buchen, Stadt Odenwald.
Daselbst Kreuzkapelle. Im 15. Jahrhundert wurde ein Altar darin geweiht zu Ehren der drei Könige... Theobald und Jodokus, Gertrud und Valentin. Freiburger Diözesan - Archiv XIII, 62.

Betenbrunn, Df. und Pfarrei, Amt Ueberlingen.
Auf einer Altartafel des 15. Jahrhunderts ist St. Theobald dargestellt. Clauss, Die Heiligen des Elsass 134. Hier verwiesen auf eine Abb. in: Kunstdenkmäler Badens I (1887) 422. Nach Mitteilung von Konservator Dr. Herrmann Ginter in Wittnau bei Freiburg zeigt das Bild den Heiligen in Bischofstracht. Der Altarflügel stammt wohl aus dem ehemaligen, nahegelegenen Klösterlein Bäche.

Freiburg, Collegium St. Theobaldi.
1564 als Erziehungshaus für studierende Kleriker errichtet aus dem Nachlass des Juristen Theobald Bapst. Vgl. Lauer, Die theologische Bildung des Klerus, in Freiburger Diözesan-Archiv 47 (1919) 136.

Pforzheim, Stadt.
Aus dem Dominikanerkloster das früher dort bestand, stammt eine Handschrift, die in der Landesbibliothek zu Karlsruhe (St, Blasien) 76 verwahrt wird. Bl.182v-191v . Von dem Leben des Sant Theobaldus, Bischof. Nach Notizen von Chanoine Dr. Fl. Landmann in Rufach.

5. Kultzeugnisse aus Württemberg

Ulm, Stadt.
Schon 1362 besass die alte Pfarrkirche vor dem Frauentor eine St. Theobaldusaltar. Clauss, Die Heiligen des Elsass 132.

Ulm, Münster.
Der Altar des hl. Theobald wurde 1492 von der alten Pfarrkirche in die Neidhartkapelle der westlichen Turmhalle des Münsters versetzt. Clauss, Die Heiligen des Elsass 132.

Gmünd, Stadt.
Ein Kapelle s. Theobaldi ist für das Jahr 1384 erwähnt. Clauss a.a.O. 132.

Schmie, Df. Amt Maulbronn.
Ein Kapelle des hl. Theobald ist durch ein Zeugnis von 1467 verbürgt. Clauss a.a.O. 132f.

Wildberg, Df.
Hier befand sich ebenfalls eine Kapelle, die St. Theobald zum Patron hatte. Clauss a.a.O. 133. Ein Altar s. Theobaldi mit Pfründe 1508 bezeugt. Ebd 132.


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Göppingen, Stadt.
Nach einem Zeugnis von 1477 war dem hl. Theobald eine Kapelle daselbst geweiht. Clauss a.a.O. 133.

Ulm, Stadt.
Als Bischof mit Mitra und Stab ist St. Theobald, in einem Buche lesend, auf dem gemalten Flügel des jetzigen Choraltars zu Ulm dargestellt. Das Bild verfertigt von Mart. Schaffner 1521. Abb. Seemanns Kunststätten Nr. 56, S. 144. Darnach Abb. in: Clauss, Die Heiligen des Elsass, Tafel 36 Fig. 68. Das Seitenstück zu St. Theobald bildet der hl. Bischof Erhard. Ebd. Tafel 36, Fig. 68 im Bilde reproduziert.

Schöntal, ehemalige Zisterzienserabtei.
In deren Kirche wurde 1610 zu Ehren des hl. Theobald ein Altar errichtet. Clauss, Die Heiligen des Elsass 132, ohne Quellenangabe.
Für die Kultstätte des hl. Theobald in Württemberg verzichtet Clauss fast ganz auf die Belege.

Altensteig, Stadt, Oberamt Nagold.
Der Ort gehörte ehedem zum Bistum Konstanz. Daselbst stand 1486 ein Altar s. Theobaldi. Vgl. Gustav Hoffmann, Kirchenheilige in Württemberg (=Darstellungen aus der Württembergischen Geschichte, hrsg. von der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte, 23 Bd.) Stuttgart 1932, 146.

Oberbettringen, O. A. Gmünd, früher Bistum Augsburg.
Kapelle s. Theobaldi, bezeugt 1530. Hoffmann a.a.O. 81.

Altenmünster, O. A. Grailsheim, früher Bistum Würzburg.
Kapelle s. Theobaldi auf dem Friedhof bezeugt 1554. Hoffmann a.a.O. 94.

Edelfingen O. A. Mergentheim, früher Bistum Würzburg.
Kapelle (auf der "Heineburg") s. Theobaldi i. J. 1684. Hoffmann 121. Für die letzten Regesten hat uns Prof. Jos. Rest, Direktor der Universitätsbibliothek in Freiburg i. Br., die Unterlagen geliefert. Dies sei ihm mit innigen Dank quittiert.

6. Kultzeugnisse aus Bayern

Bamberg, Klosterkirche St. Klara.
Der Bamberger Weihbischof Heinrich weihte um 1380 in der wiederhergestellten Klosterkirche einen 4. Altar: Item quartum altare in medio ecclesie collocatum, quod consecratum est a venerabili patre et domino dommo Hainrico Termopilensi episcopo in honore corporis Chrisi, s. Theobaldi, s. Bartholomei, s. Dorothee virginis. Im deutschen Bericht: sant Teobal. W. Deinhardt, Dedicationes Bambergenses, Freiburg i. Br. 1936 46f. n. 72.

Würzburg, Ratskapelle.
Die vom Stadtrat erbaute, 1359 vollendete Kapelle wurde am 15. August 1359 durch den Würzburger Weihbischof Berthold geweiht. Kapelle und Altar erhielten als Patrone: die Gottesmutter, hhl. Männer, u. a. Theobald, ferner 6 hl. Frauen und die 11000 Jungfrauen. Nach dem Umbau der Kapelle im Jahre 1628


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wurde sie und der Altar vom Würzburger Weihbischof Jodokus am 30. August desselben Jahres rekonziliiert bezw. aufs neue konsekriert zu Ehren der vorhin erwähnten Heiligen. Josef Hörnes, Die Rathskapelle im Grafeneckard mit ihrer Vikarie, in: Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg 20, Heft 1-2 (1879) 375. 377.

Watterbach. Dek. Miltenberg, Diözese Würzburg.
Filiale von Kirchzell, südlich von Amorbach. Die Filialkapelle am Dienstag nach Invocavit (15. Februar) 1429 konsekriert zu Ehren B.M.V., Catharinae, Barbarae, Walburgis, Gertrudis, Ottiliae, Theobaldi. August Amrhein, Archivinventare der katholischen Pfarreien in der Diözese Würzburg [Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, 5. Reihe, 1. Bd.], Würzburg 1914. 535.

Geisenhausen, Niederbayern.
Daselbst eine Statue von etwa 1525. Vgl. Josef Braun, Tracht und Attribute der Heiligen. Stuttgart 1943, unter: St. Theobald.

7. Kultzeugnisse aus Hessen und dem Rheinland

Alzei, Stadt, Rheinhessen.
In der Kapelle des neuen Siechenspitals wurden nach einer Urkunde vom 31. August 1468 zwei Altäre geweiht. Der eine "zu ere s. Valentins, Jostes, Theobalds, Wendelings, der bichter, s. Marien, Magdalenen, Margareten, Ottilgen der jungfrauwen und s. Elssbethen der witwen". Ludwig Baur, Hessische Urkunden, I V, Darmstadt 1860-1873. 4. Bd. 198 n. 206.

Wimpfen, Stadt am Neckar, Hessen.
Auf dem Innenflügel des spätgotischen Hochaltars der jetzt protestantischen Marienkirche ist der hl. Theobald in einem Holzbild (Statue) als Bischof ohne Attribut dargestellt. Clauss, Die Heiligen des Elsass 134. Hier Verweisung auf Abb. in: Hessische Kunstdenkmäler 1898, Tafel S. 24.

Trier, Stadt, Domkirche.
Einen Altar besass St. Theobald im Dom. 1340 von Erzbischof Balduin errichtet. Clauss, Die Heiligen a.a.O. 132. Ist es der hl. Einsiedler oder der hl. Bischof von Gubbio ?

Winneckendonk, rheinisch. Kr. Geldern.
Stehend erscheint St. Theobald an der spätgotischen Monstranz. Clauss, Die Heiligen a.a.O. 134; Hinweis schon bei Lempfrid 31, wo als Quelle: Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 1, 2, S. 103 angegeben ist.

Modenbach, Rheinlandpfalz.
Die Theobalduskapelle für 1444 bezeugt. Clauss, Die Heiligen a.a.O. 132.

8. Kultzeugnisse aus Braunschweig und der Provinz Sachsen

Aschersleben, Kreisstadt, Rgbz. Magdeburg.
Kirche St. Stephan. Mitten in der Kirche stand vor der Reformation ein Altar geweiht zu Ehren: Corporis Christi, Philippi et Jacobi, Thomae, Stephani, Clementis,


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Vincentii, Theobaldi, Ottiliae, Clara et omnium Sanctorum. G. A. von Mülverstedt, Hierographia Halberstadensis, in: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Alterthumskunde, 2. Jg. 1. Heft (1869) 70.

Braunschweig, Stadt.
St. Marienkirche. In der Zeit vor der Reformation wurde darin ein St. Theobaldusaltar errichtet. Phil. Julius Rehtmeyer, Antiquitates ecclesiastica inclitas urbis Brunsvigae, 1. Teil Braunschweig 1707, 121.
St. Andreaskirche in der gleiche Stadt. Der katholischen Vorzeit gehörte ein Altar an, dessen Patronat St. Theobald mit anderen Heiligen teilt, Rehtmeyer, Antiquitates a.a.O. 136.
St. Katharinenkirche, ebenfalls in Braunschweig In die Zeit vor der Reformation fällt die Errichtung eines St. Theobaldusaltars Rehtmeyer, Antiquitates a.a.O. 124.

Wernigerode, Stadt, Harz, Prov. Sachsen.
St. Theobalduskapelle, um 1400 erbaut. Deren Patron wird in Ablassbriefen von 1403 und 1405 als Theobaldus episcopus et confessor bezeichnet. Lempfrid 30 Anm. 4. Siehe dazu auch Urkundenbuch der Stadt Wernigerode[= Geschichtquellen der Provinz Sachsen, Bd. 25] Halle 1891, 134f n. 217 (9. Juli 1403); 165 n. 260 (13. Dez. 1412); 192f n. 305 (7. Spt. 1419). Die St. Theobalduskapelle lag ausserhalb der Stadt, gelegentlich auch als Kapelle von Nöschenrode bezeichnet und mit dieser identisch.

Nöschenrode, bei Wernigerode, Prov. Sachsen.
Hier war 1419 dem hl. Theobald eine Kapelle geweiht. Clauss, Die Heiligen des Elsass 133 mit Verweisung auf: Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen VI mit 2 Abb. Hier liegt eine Verwechslung mit der Kapelle von Wernigerode vor. Siehe vorstehendes Regest.

9. Kultzeugnisse aus den Hansestädten Hamburg und Lübeck, aus Mecklenburg, Pommern und Hostein

Hamburg, St. Peterskirche
Schon vor 1366 war darin ein Theobaldusaltar errichtet; 1366 wurde er mit einer neuen Vikarie und 1415 mit einer 2. Vikarie ausgestattet. Dieser Altar war übrigens noch dem Apostel Bartholomäus und dem hl. Jodokus geweiht. Hans Nirrnheim, Ueber die Verehrung des hl. Theobald (Enwald) in Hamburg, in: Festgabe zum 21. Juli 1905 Anton Hagedorn gewidmet. Hamburg und Leipzig 1906, 10. Vgl. hierzu auch Nicolaus Staphorst, Hamburgische Kirchengeschichte. I, I, Hamburg 1723, 476 n. 38; ebd. I, 2, Hamburg 1725, S.XXXVI ist vom Altar Theobaldi episcopi die Rede, ebd. I, 3, Hamburg 1727, 331: in Hamburg wurde das Fest Theobaldi episcopi im Mittelalter am 1. Juli gefeiert.
In der St. Peterskirche wurde im Jahre 1424 eine St. Theobaldusbruderschaft gegründet, die einen zweiten dem hl. Theobald geweihten Altar errichten liess. Dem hl. Theobald, d.h. dem zu Thann im Elsass verehrten Heiligen, trat zur Seite St. Ottilia, welche die Theobaldusbruderschaft nebst ihrem Heiligen als Patronin erkoren hatte, was sich wohl daraus erklären lässt, dass auch ihr Wallfahrtsort im Elsass lag und gewiss von Theobalduspilgern häufig besucht wurde; ausser ihr noch als Patrone: St. Anton und Apollonia. Nirrnheim a.a.O. 11. 19.


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Lübeck, Kapelle der Burg.
Daran bestand im Mittelalter eine Theobaldusbruderschaft " Broderschop sunte Enwolds". Jakob von Melle, De itineribus Lubecensium sacris, Lübeck 1711, 48.

Schwerin, Stadt, Mecklenburg.
Fundatio vicarie ad altare Bartolomei et Georgii martyris, Wilhelmi, Theobaldi et Seghemundi ....ac Elysabeth vidue, 1370. Dietrich Schröder, Kirchenhistorie des paptistischen Mecklenburg. II, Wismar 1739 1451. An einer Kirche der Stadt gab es vor der Reformation eine St. Ewaldsbruderschaft. Vgl. Karl Schmaltz, Kirchengeschichte Mecklenburgs. I, Schwerin 1935, 277. Eine Photokopie der in Betracht kommenden Buchseite hat uns Prof. Josef Rest, Direktor der Universität in Freiburg i. Br., in entgegenkommendster Weise anfertigen lassen.

Rostock, Stadt, Mecklenburg.
Marienkirche, Hermann, Bischof von Schwerin, bestätigt 1431, ipsa die beati Viti martyrus (=15.Juni) einige Stiftungen zu einem Altar der Marienkirche, worüber die Krämergesellschaft zu walten hatte. Diese stiftete eine Vikarie darauf: ad laudis augmentum et honorem intemerate semper virginis matris Marie, sancte et individue Trinitatis, decem millium militum, sancti Theobaldi pontificis et confessoris et beati Mathie apostoli. Schröder, Kirchenhistorie (siehe vorigen Regest) II, 1921. Der Altar hatte wohl die gleichen Heiligen wie die, welche die Vikariestiftung nennt.

Premslow, Stadt, Pommern.
Dort eine Kapelle mit Vikarie, gegründet in honorem b. Marie virginis ac corporis Christi, ss. Andree apostoli, Theobaldi confessoris necuon Dorothee et Barbare virginum. Urkunde vom 14. Oktober 1490. Vgl. Registrum administrationis episcopatus Caminensis (1489-1494), in: R. Klempin, Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogislafs, Berlin 1859, 24 n. 173.
Für Greifswald, Stadt in Pommern, liess sich keine St, Theobalduskultstätte feststellen. Theodor Pyl, Geschichte der Greifswalder Kirchen, 3 Bände. Greifswald 1885-1887 und noch 3 Hefte (Nachträge) 1898-1900 = Null für St. Theobald.

Preetz, Stadt Holstein.
Auf dem Schrein des Laienaltars der dortigen ehemaligen Klosterkirche ist St. Theobald im Bild dargestellt. Vgl. Dr. Crull, S. Ewald, in: Mitteilungen des Vereins für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde 4 (1889-1890) 86. Hier verwiesen auf Bau- und Kunstdenkmäler von Schleswig-Holstein II, 171.

Schwansen, Df. Kr. Eckernförde, Schleswig-Holstein.
Eine Kapelle dieses Dorfes hat den hl. Theobald als Patron, 13. und 14. Jahrhundert. Vgl. Clauss, Die Heiligen des Elsass 133. Zu dieser Angabe muss bemerkt werden, dass der Thanner Heilige als Patron der Kapelle vor der Mitte des 14. Jahrhunderts gar nicht in Betracht kommen kann.

Anmerkungen zu Kapitel I

1. Quellen und Literatur zum Leben des hl. Einsiedlers Theobald in: Clauss, Die Heiligen des Elsass. Düsseldorf 1935, 229- 231. Lebensabrisse finden sich in Heiligenlebensammlungen des 14. Jahrhunderts. So in Colmar, Stadtbibl. Ms. 319, kl. 4°, Pergament, lat., 311 BII. Auf Bl. 307 vb 308 va : De s. Theobaldo conf....ex frankorum
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genere. Die Handschrift stammt nicht von Murbach, sondern wohl aus einem Dominikaner Kloster des Oberheins. Ausserdem in der Zentralbibliothek in Zürich. Es ist die Rheinauer Handschrift Ms. Rh. 106, ebenfalls 14. Jahrh., Bl. 285-285v: Sanctus Theobaldus devotus Christi confessor qui ex francorum genere. Die Direktion der Zentralbibliothek hat uns eine Photokopie der Vita unentgeltlich zugestellt, wofür ihr hier verbindlichst gedankt wird.
1a. Heinrich Lempfrid, Die Thanner Theobaldssage und der Beginn des Thanner Münsterbaues, in : Bulletin de la société pour la conservation des monuments historique d` Alsace 21 (1903) 34.
2. Ebd. Urkundenanhang S.127 n. 36. Bericht über die Besichtigung von 1593 in Abdruck.
3. Lempfrid a.a.O. 34.
4. Mossmann, Les origines de Thann, in: Revue d` Alsace 1873, 289 359.
5. Lempfrid aaO 1-128 und vier Tafeln.
6. Ebd. 55f. 40.
7. Ebd. 56f. 10.
8. Ebd. 14.
9. Ebd. 13. 15.
10. Ebd. 15f.
11. Ebd. 26
12. Ebd. 22.
13. Ebd. 126 n. 34.
14. Ebd. 37.
15. Joseph M. B. Clauss, Die Heiligen des Elsass. Düsseldorf 1935, 230 (Quellen und Literatur zu St. Theobald.
16. Clauss a.a.O. 131.
17. Bd. X, Freiburg i. Br. 1938, 32f. Den Artikel zeichnete A. Zimmermann.
17a. Joseph Braun, Tracht und Attribute der Heiligen. Stuttgart 1943 sub verbo.
18. Pfarrer Moschenross der sich um die Erforschung der Geschichte Thanns grosse Verdienste erworben hat, wurde durch allzu frühen Tod (1891-1941) daran verhindert, die Frucht langjähriger Sucharbeit in Garben zu binden. Um sein Andenken zu ehren, haben Freunde die aus seiner Feder stammenden, in Volkskalendern und Zeitschriften zerstreuten Aufsätze gesammelt und unter dem Titel herausgegeben: Adolph Moschenross, Thann á travers son passé (Publications de la société d´histoire des régions de Thann-Guebwiller, vol.1) Rixheim 1947. 8° 382 p. Darin S. 76-82: Die Verehrung des Thanner Stadtpatrons im Mittelalter. Ein Beitrag zur Ubaldus-Theobaldusfrage; ferner S. 83-89: Zur Geschichte des Thanner Theobaldusfestes. Beide Arbeiten leider ohne Anmerkungen.
19. Ebd. S. 78.
20. Lempfrid a.a.O. 34. 40.
21. Ebd. 48. 63.
22. Ebd. 103 n. 2.
23. Ebd. 91.
24. Ebd. 56f.
25. Ebd. 56.
26. Ebd. 56f.
27. Ebd. 5, 49. 58.
28. Ebd.126 n. 34.
29. Vgl. Urkundenbuch der Stadt Basel. IV, Basel 1899, 310-313, n. 332(1.2.3.). Die erste Urkunde ist datiert : Vicenza 1369 September 5; die zweite Basel 1369 Oktober 20 mit Transsumt des Konstanzer Generalvikars vom 13. November 1369; die dritte : Basel 1369 November 27.
30. Lempfrid a.a.O. 17.
30a. Eine mittelalterliche, aus 16 Strophen bestehende Sequenz pflegte man in Thann zu Ehren des hl. Theobald-Ubald an diesem Tage zu singen. Dass Pilger aus den verschiedensten Ländern sich zu dieser Feier einfanden, wird in der 2. Strophe hervorgehoben. Wiewohl der in einer St. Gallener Handschrift (N.546) überlieferte Text sehr fehlerhaft ist, sollen einige Teile der Sequenz hier geboten werden. Nach Joseph Kehrein, Lateinische Sequenzen des Mittelalters. Mainz 1873 486f. u. 721. 1. Str. Lauda plebs A l s a t i c a dominum.
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2. Str.Sonent cantica consona mentium
Plaudat populus undique gentium
In hac die singulari,
Ut Theobaldus venerari
A suis valeat.
12. Str. Sed a longe cernitur civitas in monte
Ipsa discens omnia de virtutum fonte.
Illum sedi praeficit R u b i g e n e (Gubbio) sponte
Mvstico charactere consignata fronte.
13. Str. Factus custos ovium dominici gregis,
Cogitat parabolam: Homo fac, quod legis!
Summi tenens sagittam mandatorum regis,
Pro his ponit animam ad verbum legis.
14. Str. Ne fera bestiarum iucursu laedantur,
Sed ut tute cum salute domino reddantur,
F r i d e r i c u m i n i m i c u m dira comminantem
Mitigavit et signavit ipsum postulantem.
Zur Begegnung Bischof Ubalds mit Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1154, bei welcher der Heilige Schonung für die Bewohner von Gubbio erwirkte, siehe Lempfid a.a.O. 19.
31. Ebd. 17.
32. Vgl. Médard Barth, Der hl. Florentius, Bischof von Strassburg. Sein Kult in Volk und Kirche. Das Werk wird im Jahre 1951 erscheinen.
33. Vgl. Lempfrid a.a.O. 28.
34. Ebd. 32. 126 n. 35.
35. Ebd. 34f.
36. Ebd. 35.
37. Ebd. 35f. Der Titel seiner Geschichte lautet: Translatio reliquiarium beatissimi Ubaldi praesulis Eugubini, qualiter articulus seu pollex manus dexterae per cubicularium ejus Thaunas asportatus fuerit anno 1210.
38. Ebd. 36f.
39. Das bischöfliche Schreiben ist im Pfarrarchiv von Thann verwahrt.
40. Die verschiedenen Berichte über die Reliquie liegen im Pfarrarchiv.
"L `an 1864 le 21 novembre, après avoir obtenu la permission de Monseigneur l`Eveque de Strasbourg et en présence de...j´ai (Pfarrer Grienenberger) sorti la sainte relique de son cristal, dont l´ouverture etait scellèe de ciment grisâtre, sans empreinte, et nous avons trouvè que cette relique n´est pas la phalange entière du pouce avec son os, mais elle ne nous semblait étre que de la peau roulée, desséchée et durcie ayant une couleur de chair trés foncèe. J´ai remis la relique dans le cristal.... Le 2 janvier 1865 nous avons le nouveau examinè la relique venérée en présence de presque touts les prêtres du doyenné et tous pensent que c´est de la peau roulee, desséchée et durcie....J´ai cimenté l´ouverture et cachete avec de la cire rouge avec impression des lettres J. B. C. (- Jean Baptiste Grienenberger) en présence des prétres susnommes." 14 Unterschriften.
41. Clauss, Die Heiligen des Elsass a.a.O. 130.
In der Zählung der Anmerkungen ist im Druck die 42 ausgelassen worden
43. Brief Bischof Ubaldis von Gubbio an den Pfarrdekan Dr. Robert Barth vom November 1946. Pfarrarchiv Thann.
44. Mgr. Pio Cenci, Vita de S, Ubaldo, Gubbio 1924. Mitteilung von Pfarrdekan Barth.
45. Vgl. Brief des Bischofs von Gubbio, datiert vom 4. November 1946; ferner Mons. Beniamino Ubaldi (Vescovo di Gubbio), Thann e Gubbio nella storia e nella leggenda di S. Ubaldo Gubbio, Edizioni "Melos", 1947 kl.8°- 56p. Bericht über die Untersuchung des St. Ubaldleibes sowie der Sonderbericht von Dr. Antonioli Ferranti ebd. S. 15-50. S. 48 heisst es im ersten Bericht: "L´esimio Dott.(ore) Antonioli chiede una
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lampadina elettrica maneggevole, e con l´aiuto di essa riscontra egli e fa riscontrare ai presenti uno ad uno che nel polpastrello del dito pollice della mano destra esiste un taglio netto dell´epidermide, e secundo questo taglio e´stata asportata la pelle. Un sentimento di giubilo si eleva dall´animo di tutti i presenti; particolarmente da quello di S. E. Mons. Vescovo e di Mons. Cenci. La relquia di Thann e indubiamente autentica.
46. Vgl. Verbale della ricognizione fatta a Thann il 3 Marzo 1917, in Abdruck in: Beniamini Ubaldi, Thann e Cubbio a.a.O. 50-54. Darnach war die Reliquie "constituée par un tronc de cône aplati et absolument rigide et dur de chair desséchée d´une couleur brun noirâtre... Les dimensions étaient les suivantes: Hauteur: 35 mm, largeur à la base: 9 mm, largeur au sommet: 5,5 mm, épaisseur: 4 mm environ... Il est de toute évidence, vu les dimensions de la relique, qu´elle ne peut absolument pas renfermer un élément osseux. Elle est done constitutée par un fragment cutané palmaire ou plantaire d´une grande vétusté enroulé sur lui- mème. Vu ses dimensions et en raison du renflement dépourvu de revêtement cutané, qui en garnit une des extrémités, on peut affirmer qu´elle consiste en un fragment latéral de peau palmaire de pouce ou de peau plantaire du gros orteil (droits ou gauches...) découpe de facon que son grand axe est parallèle au grand axe de l´article dont elle a été détachée, le renflenment charnel de tissu sousentané sus-décrit correspondant au sillon interphalangien". S. 53 Schematische Wiedergabe der zwei vergrösserten Seiten der Reliquie.
47. Vgl. Medard Barth, Die Legende und Verehrung der hl. Attala, der ersten Aebtissin von St. Stefan in Strassburg, in: Archiv für elsässische Kirchengeschichte 2 (1927) 89-198.
48. Pio Cenci, Vita di S. Ubaldo a. a O. 9f.
49. Siehe Lempfrid a.a.O. 95 und Fr. X. Kraus. Kunst und Alterthum im Elsass- Lothringen. II, Strassburg 1884, 645.
50. Das Reichsland Elsass- Lothringen III, 2.Strassburg 1901-1903, 1112.
51. Lempfrid a.a.O. 96.
51a. Diese Ansicht vertrat mein Freund Dr. René Biéry, Notar in Mühlhausen, gestorben am 4. Juli 1949. Die Uebereinstimmung mit anderen Kunsthistorikern des Elsass und der Schweiz datierte er die Turmhalle wie seinen brieflichen Mitteilungen zu entnehmen ist, in die Zeit zwischen 1200 und 1225. Ueber die Bauform und die romanischen Reste der Turmhalle wie auch der Skulpturen des Thanner Münsters wollte er schreiben, ebenfalls die Ikonographie des hl. Theobald kritisch behandeln. Seine Absicht, durch einen Doppelaufsatz unserer Abhandlung über St. Theobald zu ergänzen, machte der Tod zunichte. Da die Familie Biéry sich mit dem Gedanken trägt, das umfangreiche Bildmaterial samt der zugehörigen Notizen Kunstwissenschaftlern zwecks Bearbeitung anzuvertrauen, besteht die begründete Hoffnung, dass der Plan Dr. Biérys in absehbarer Zeit Gestalt annimmt.
52. Durch einige Zeugnisse, die sich um viele Dutzende vermehren liessen, soll dies belegt werden. Wingersheim ehemals Filiale von Hohatzenheim, besass im 12. Jahrhundert eine Filialkapelle. Vgl. I. Pfleger, Elsässische Kirchen und Kirchhöfe als Festungen, in: Elsassland 13 (1933) 130. Für 1300 ist der Marienaltar des Dorfkirchleins bezeugt. Is. Foesser, Wingersheim und seine Filialen Hohatzenheim, Donnenheim, Mittelhausen. Strassburg 1932 18f.; für die Jahre zwischen 1190 und 1202 ist die Filialkirche von Kingersheim, Pfarrei Wittenheim, bezeugt. Vgl. Seraphin Dietler, Chronik des Klosters Schönensteinbach, hrsg. von Joh. v. Schlumberger, Gebweiler 1897, 68f. und Regesten der Bischöfe von Strassburg. I. Innsbruck 1908, 382n, 736. Als Kapelle s. Adelfi für 1235 erwähnt. Dietler, Chronik a.a.O. 98; die St. Nikolaus Kapelle in Niederottrott, ehemals Filialkirchlein der Pfarrei Oberehnheim, stammt aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. Siehe K. Czarnowsky, Zwei Bauwerke der Romanik im Elsass, in: Archiv für elsässische Kirchengeschichte 16 (1943) 389ff. Die Kapelle von Oberhaslach, zur Pfarrei Niederhaslach gehörig, ist durch zwei Urkunden von 1216 und 1290 (capella s. Arbogasti) bezeugt. Strassburg, Departementsarchiv G 5257 (2) und 5220 (7). Niederehnheim das zum Pfarrsprengel der "Feldkirche" gehörte,
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besass schon 1279 eine Kapelle im Dorfe. Schöpflin, Alsatia diplomatica II, 18 n. 718. Die Pfarrkirche von Egisheim und Wettolsheim war die sog. Feldkirche bei Wettolsheim. Für letzteres ist durch Urkunde von 1319 eine Capella s. Martini, die im Dorfe selber lag, erwähnt. Schöpflin, Alsatia diplomatica II, 123, n. 909. Diese Martinskapelle ist zweifellos viel älter. Eine Filialkapelle stand zu Ittenweier (1115), Meiweier (schon vor 1185), Knorsheim (1146) und Oberdorf (1181). Vgl. Regesten der Bischöfe von Strassburg 1, n. 397, n. 623, n. 511, n. 995. Ferner in Hüsern (1236) und Mittelbergheim (1258). Ebd. II, 1051 und 1543.
Sewen, ehemals Filiale von Kirchberg, ist 1302 Pfarrei mit Kirchberg als Filiale. Etienne Clouzot, Pouillés des provinces de Besancon de Tarentaise et de Vienne (Recueil des historiens de la France, Pouillés VII) Paris 1941, 150 und Ablassbrief von 1321 für die "ecclesia in Sewen sen capella in Kilchberg". Lateinischer Auszug daraus um 1510, im Liber vitae von Sewen (S. 48), im dortigen Pfarrarchiv. Die Kapelle in Hünningen ist Filiale von St. Martin in Basel, bezeugt für 1191-1213. Urkundenbuch der Stadt Basel I, 43 n. 64. Im Jahre 1362 wird die Pfarrkirche s. Agathe in Hüningen zu der die ehemalige Mutterkirche St. Martin jetzt Filialkirche ist, dem Kloster St. Alban in Basel inkorporiert. Trouillat, Monuments de l`histoire de l`ancien évéché de Bâle IV, Porrentruy 1861, 193 n. 79.
Wasserburg, Kt. Münster, ist 1302 mit einer capella, 1441 als Pfarrei erwähnt. Clouzot, Pouillés aaO 146, 163; Schanlit, eingeg. Dorf neben Wangen, besass 1241 als Filiale von Wangen eine Kapelle. Strassburg, Departementsarchiv H 2612 (1). Waldshofen, eingeg. Dörflein bei Maursmünster, heute St. Gallen, mit capella beati Galli, geweiht 1143. Brackmann, Germania pontificia III(3), Berlin 1935, 60 n.7.
In Heiligenberg einer Filiale von Haslach, stand schon vor 1295 eine Heiligkreuzkapelle . Vgl. Urkunde von Bischof Konrad, 20. Juni 1295. Strassburg, Departementsarchiv G 5213 (9). Eine Urkunde vom 15. März 1300 (Urkundenbuch der Stadt Basel. III. Basel 1896, 286 f n. 257) bezeugt für die Stadt Thann ein Beginenhaus und ein Minoritenkloster, und dabei gab es, wie Lempfrid behauptet, daselbst noch keine Kirche!
In der Zählung der Anmerkungen ist im Druck die 53 ausgelassen worden
54. Vgl. Jos. M. B. Clauss, Historisch-topographisches Wörterbuch des Elsass, Zabern 1895ff., 847f.; ferner Regesten der Bischöfe von Strassburg a.a.O. I, S. 405 (Pfirt) und II, Innsbruck 1928, S. 500 (Pfirt).
55. Lempfrid aaO 44. 47; zur Urkunde vom 28. Juni 1234 vgl. Regesten der Bischöfe von Strassburg aaO II, 65 n. 1021; über die Vereinbarung Graf Ulrichs mit Bischof Berthold, 5. Februar 1251 siehe Regesten aaO II, 131 n. 1356. 56a) Für Parallelbildung von Heiligennamen sei verwiesen auf Medard Barth, Zur Mission des hl. Fridolin im Elsass, in Archives de l´eglise d´Alsace I (1946) 24 f. Siehe auch weiter unten die Angaben, die uns Dr. Josef Lefftz inbetreff der mit St. Theobald zusammenhängenden Namensformen zukommen liess.
56a. Johann Andreas Schenck, Sanctus Theobaldus. Das ist Summarischer Bericht des Lebens, der Translation des Hochheyligthums..., des 11. Himmelsfürsten Ubaldi, sonsten gemeinlich Theobaldi genannt... Freiburg 1628, 28f. Betreffs Theobaldus in der Papsturkunde von 1299 liest daselbst: "Ubalditag, der doch kein anderer als Theobaldus (S. 28). S. 29: "dass aber dieser Theobaldus kein anderer seye als Ubaldus, wie erst hievor angezogen, kann genugsamb erwisen werden aus der bull Bonifacii VIII, so anfahet: Splendor Paternae Gloriae....sub dato Romae apud S. Petrum 3°. Idus Novembr. Pontificatus ejus anno quinto..." In welcher Bull Ihr Päpst. Heyligkeit der Kirchen zu Eugubin(= Gubbio), da dann der Leychnam des H. Ubaldi ruht, grosse Gnaden und Ablass ertheilt, und diesen Heyligen nicht Ubaldum, sondern Theoboldum nennt. Dahero sich desto weniger zu verwundern, dass unser H. Patron jetzo Ubaldus, oder sonst Theobaldus genannt wird, sintemal durch diese beede Namen niemandts andres als eben der bischof zu Eugubin, dessen H. Daumenfinger alhie in Thann aufbehalten wirdt, soll verstanden werden und gemeint seyn."
Im Original der Ablassurkunde steht Ubald, wie übrigens in allen Schriftstücken von Gubbio, die sich auf diesen Heiligen beziehen. Auskunft erhielten wir durch Ver-
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mittlung von Herrn Dr. Robert Barth, Pfarrdekan von Thann, von Mgr. Ubaldi, Bischof von Gubbio, Ngr. Pio Cenci, ehemaliger Archivar der Vaticana in Rom und Verfasser einer Biographie des hl. Ubald und vom Grafen Benveduti, dem gelehrten Historiker von Gubbio Schenck, der von Lempfrid als "Gewissenhafter und zuverlässiger Forscher" bezeichnet wird, kann demnach nur eine in Thann hergestellte Abschrift dieser Ablassbulle vorgelegen haben.
57. Lempfrid a.a.O. 127n. 36.
58. Ebd. 22.
59. Georg Stoffel, Tomus miraculorum sancti Theobaldi, mit einem Facsimile, Colmar 1875.
60. Lempfrid a.a.O. 11 mit Hinweis auf Stoffel, Tomus S. 1-64.
61. Lempfrid a.a.O. 26 Anm. 1. Unsere drei Angaben finden sich bei Stoffel S.25 n.34 (Jahr 1440), S.57 n. 87 (Jahr 1448) und S. 122 n.139 (Jahr 1469).
62. Lempfrid a.a.O. 26.
63. Ebd. 11f.
64. Ebd. 12 Anm. 1, wo Verweisung auf den Beitrag von W. Deecke, Amuletringe des hl . Theobald von Thann, in: Jahrbuch des Vogesen-Club 8 (1892) 37-44. "Die Inschrift des ältesten der hier besprochenen Ringe wird 'richtig' (so Lempfrid) als Thebal(dus) c(confessor) v(enerandus) t(tutor) Tan(n)i gedeutet". Dabei haben Deecke und Lempfrid übersehen, dass die Kontraktiom CVT in civitas aufzulösen ist, was der Inschrift einen natürlichen Sinn gibt. Wir lesen: Theobaldus civitatis Thannensis. Näheres darüber sollte im ikonographischen Artikel vom † Notar Dr. René Biéry erscheinen.
65. Lempfrid a.a.O. 32.
66. Ebd. 37-39.
67. Im Pfarrarchiv zu Thann.
68. Links oben auf der Pergamenturkunde sind zwei Miniaturen. Die eine stellt Maria mit dem Kinde als Patronin von Althann dar, während die andere den hl. Bischof Theobaldus, den Patron der Kirche von Thann zeigt. Zur Urkunde vgl. weiter unten das Kultregest Thann. Eine eingehende Würdigung der St. Theobaldusminiatur wollte Dr. René Biéry in dieser Zeitschrift geben. Siehe auch unter Kultregest Thann.
69. Lempfrid a.a.O. 14.
70. Lempfrid a.a.O. 15.
71. Ebd. 126 n. 34.
72. Ebd. 24f.
73. Ebd. 5ff. 49f.
74. Ebd. 24f. ferner Joseph Kerein, Lateinische Sequenzen des Mittelalters, Mainz 1873, 486. Sechzehnstrophige Sequenz de. S. Theobaldo von Thann. Lauda plebs Alsatica. Siehe oben S Ordo perpetuus von Thann aus dem Jahre 1448. Ms 1555 der Staatsbibliothek in Strassburg. Papierhandschrift, 167 Bll., Holzdeckel mit gepresstem Leder überzogen, mit Kette zu Festmachen derselben. Kein "Pergamentcodex", wie Moschenross, Thann á travers son passé a.a.O. 79 behauptet. Darin ist von der ersten Hand für den 1. Juli eingetragen: Bl. 46v: Theobaldi episcopi totum duplex; ebenso für den gleichen Tag auf Bl. 50v, Bl. 90 usw. Von einer späteren Hand, um 1500, nachgetragen die Festfeier vom 16. Mai mit Hinweis auf die gleiche Feier in Eugubinia civitatae. Siehe Bl. 46. 50. 71v. 75. 86. 117. 120. 123v. 127. und 137. Auf dem Blatt 165 steht das Datum 1448.
75. Stoffel, tomus miraculorum. Ausser den bereits oben in der Darstellung erwähnten Hinweisen, welche das Mirakelbuch für die Jahre 1440, 1448 und 1469 gibt, finden sich noch solche S. 117: 1461 (lateinischer Bericht, der schliesst: sanatus est per intercessionem sancti Theobaldi preciosissimi confessoris et pontificis); S. 159 n. 191 und 192 ist sand Thiebolt der heilige Bischof zweimal für das Jahr 1489 daselbst angeführt. Der "himmelfürst sand Thiebolt der hl Bischof" für 1503 bezeugt. Ebd. 173 n. 207.
76. Vgl. Lempfrid 26; Clauss, Die Heiligen des Elsass 133.

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Anmerkungen II (zu Kapitel II und III)